War Tiberius der verantwortungsbewußte Lenker und Gestalter des römischen Staates oder ein narzißtischer Tyrann, der nicht wenige seiner Gegner aus gekränkter Eitelkeit in politischen Prozessen verfolgen ließ? Zvi Yavetz zeichnet in seiner modernen und kritischen Tiberius-Biographie das Bild einer düsteren, zerrissenen Persönlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Als "Biographie", wie es der Untertitel ankündigt, könne das Buch schon deshalb nicht gelten, weil es kaum über die Jugend des Kaisers und seine Zeit als Feldherr spricht, meint Karl Christ, aber als Einblick in die komplizierte Person des Augustus-Nachfolgers schätzt er das Buch sehr. Gerade die Herkunft aus einer Vorlesungsreihe verleihe ihm etwas Konzises und rhetorisch Gelungenes. Yavetz stütze sich in seiner Deutung des Tiberius vor allem auf eine subtile Lektüre des Tacitus, aber auch auf viele andere Quellen. Die Rolle der Öffentlichkeit, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Politik der Zeit würden ausführlich gewürdigt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Yavetz ist nicht der erste Tiberius-Biograf, der den römischen Kaiser von wissenschaftlich nicht haltbaren Klischees befreien will, bemerkt Marie-Theres Fögen. Dennoch hält sie diesen Band nicht für überflüssig, da die Lektüre den Leser zu dem Schluss kommen lasse, dass Tiberius sich überraschend wenig von heutigen Politikern unterscheide: ein durchschnittlicher Typ, politisch korrekt, gutwillig und gelegentlichen sexuellen Eskapaden nicht abgeneigt. Es bleibe wenig übrig von den Übertreibungen eines Tacitus, die das Tiberius-Bild lange Jahre geprägt hätten. Allerdings gibt Fögen zu bedenken, dass auch diese aktuellen Erkenntnisse über Tiberius wohl nur vorläufiger Natur seien.
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