Rainer Kipper

Der Germanenmythos im Deutschen Kaiserreich

Formen und Funktionen historischer Selbstthematisierung
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783525355701
Gebunden, 394 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

In der öffentlichen Erinnerung des Bismarckreiches spielte der Germanenmythos eine wichtige Rolle: Die germanische Frühzeit schien den ursprünglichen Charakter des eigenen Volkes am klarsten zu offenbaren. Zugleich eignete sie sich besonders gut für die unterschiedlichsten Projektionen, lag sie doch zeitlich in weiter Ferne und war sie, was die historischen Fakten angeht, eher unbestimmt. Der Rückgriff auf die Germanenzeit zeugt von den Bemühungen, den gerade entstandenen deutschen Nationalstaat zu stabilisieren und in die geschichtliche Entwicklung zu integrieren, ist aber auch Ausdruck von Positionsbestimmung und Interessenwahrung Einzelner. Rainer Kipper zieht zahlreiche literarische, historiografische und publizistische Quellen heran und analysiert die tragenden Elemente und die argumentative Struktur der dort vertretenen erinnerungspolitischen Standpunkte. Der Germanenmythos erweist sich in seiner Vieldeutigkeit als ein ebenso komplexes wie leistungsfähiges geschichtliches Selbstbeschreibungssystem.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.12.2002

Die Dissertation des Gießener Wissenschaftlers Rainer Kipper über den "Germanenmythos" im Deutschen Kaiserreich erwecke auf den ersten Blick den Eindruck, staunt Jürgen Busche, als sei sie "von großer Dichte". "Weit" hole der Autor aus, gehe dabei "ungemein gründlich", "umsichtig" und "wachsam" vor und berücksichtige auch noch die abseitigsten Theoretiker des Germanenkults. Doch ist dem Rezensenten diese Studie zu glatt. Zu "planvoll" sei das ganze Material daraufhin zusammengestellt, die Grundthese des Autors, dass der Germanenkult erst nach dem Niedergang des Deutschen Reichs zu wahrer Blüte erwachte, zu bestätigen, meint der skeptische Rezensent. Der nämlich findet diese These nicht haltbar, vieles lasse sich bei genauer Betrachtung auch anders interpretieren. Und der "katholische Beitrag zur Kultbildung" werde, mäkelt Busche, zu "einseitig" abgehandelt. So habe der Autor das "erfolgreichste" Werk der Kaiserzeit, Friedrich Wilhelm Webers Versepos "Dreizehnlinden" komplett unterschlagen, moniert der Rezensent.
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