Die ethnografische Einlage über die Juden in den Historien des Publius Cornelius Tacitus ist die detaillierteste Beschreibung des Judentums und Judäas in der griechisch-römischen Literatur. In dieser Monografie wird dieser zentrale Text zum ersten Mal in einen größeren Zusammenhang gestellt. Die Geschichte der antiken Beschreibungen der Juden von den griechischen Anfängen bis in die Zeit Tacitus' wird anhand einer eingehenden literarischen und historischen Besprechung aller erhaltenen Judenexkurse nachgezeichnet. Zentral ist hierbei die Frage nach dem jeweiligen ethnografischen Ansatz bzw. nach dem Sitz dieser Texte in der "Geschichte" der griechisch-römischen Ethnografie. Tacitus' Ethnografie über die Juden, verfasst 40 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Flavier, wird in ihren historischen Kontext gestellt und mit anderen Ethnographica im Werk dieses Autors verglichen, insbesonders der Monographie über die Germanen und der Einlage über die Britannier.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.08.2002
Jürgen Busche sieht in der Studie zu Tacitus' berüchtigtem Exkurs über die Juden ein "schönes Beispiel" dafür, wie eine philologischen Arbeit der Geschichtswissenschaft "helfen kann", Aufschluss über wichtige Fragen zu erlangen. Der Text des Tacitus, der von Historikern bisher gern einfach übergangen worden sei, habe das Ziel gehabt, die Kaiser Vespasian und Titus in ein besonders gutes Licht zu stellen, und das habe Tacitus auf Kosten der Juden versucht, wie die Studie Blochs zeige. Für den Rezensenten hat Rene S. Bloch überzeugend nachgewiesen, dass es sich bei den Exkurs nicht um ein unbedachtes, vom Hass diktiertes Dokument, sondern um einen "höchst kunstfertigen" Text handelt, der einen ganz bestimmten politischen Zweck verfolgte.
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