Die Digitalisierung verändert unsere Wahrnehmung der Welt: Unsere Körper, die Natur, die Gegenstände - alles erscheint in höherer Auflösung, es existieren immer mehr Daten. Feinste Unterschiede werden erkennbar, das Individuelle überlagert das Allgemeine. Lässt sich unser gesellschaftliches Ideal der Gleichheit vor diesem Hintergrund aufrechterhalten? Im Umgang mit komplexen Daten sind uns Computer zusehends überlegen. Wer sind wir noch, wenn Intelligenz und Rationalität nicht mehr als allein menschliche Merkmale gelten können? Müssen wir uns vom homo rationalis zum homo irritabilis entwickeln, um uns von intelligenten Maschinen abzugrenzen?
Sind Genderfragen bald Vergangenheit?, fragt sich Rezensent Johannes Gernert angesichts dieses Buches, in dem der Soziologe Christoph Kucklick unsere Singularisierung durch die immer höhere Auflösung unserer Wirklichkeit beschreibt. Solche "groben" Konstrukte sieht der Rezensent schon abgehängt durch die fortschreitende, von Kucklick in Aussicht gestellte Totalverpixelung unseres Daseins. Angst schürt der Autor aber nicht, versichert Gernert, auch wenn er die totale Ausdeutung nicht weniger bedenklich findet als die totale Ausbeutung. Etwas ratlos scheint der Autor in Anbetracht der mit immer detaillierteren Daten umgehenden Kontrollgesellschaft aber schon, meint der Rezensent.
Gern nimmt Marc Reichwein den Gedanken des Soziologen Christoph Kucklick auf und untersucht mit ihm assoziativ die "granulare Gesellschaft", eine recht feinkörnige soziale Menge als Ergebnis der Digitalisierungprozesse. Die drei Thesen des Autors, wonach die granulare Gesellschaft drei Revolutionen befördert, Differenz-. Intelligenz- und Kontrollrevolution, nimmt der Rezensent als "erfrischend nüchterne" Synopse der Digitalisierung. Die vom Autor diskutierten Herausforderungen (selbstfahrende Autos, unsolidarische Krankenkassen) infolge der gesellschaftlichen Auflösung scheinen Reichwein recht realistisch.
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