Adrian H. Koerfer erzählt von einer Kindheit und Jugend zwischen großem Wohlstand und brutaler emotionaler Kälte. Aufgewachsen im Schatten eines abwesenden Vaters, betreut und erzogen von Angestellten und allein gelassen von einer überforderten Mutter, wird er schließlich an die Odenwaldschule abgeschoben - einen Ort, der sich als Schauplatz systematischen Missbrauchs durch Lehrkräfte erweist. Erst als Heranwachsender findet Adrian die Kraft, sich Gewalt und Schweigen zu widersetzen. Seine Lebensgeschichte legt schonungslos die Mechanismen familiärer Verdrängung und institutioneller Macht offen.Ein Blick zurück im Zorn, der die Gegenwart in die Pflicht nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2026
Rezensentin Melanie Mühl nennt Adrian H. Koerfers Buch über den Missbrauch an der Odenwaldschule ein Dokument gegen das Vergessen. Auch wer die Fakten kennt, wird erschüttert aus der Lektüre hervorgehen, warnt Mühl. Den Alltag und das System des Missbrauchs schildert der Autor laut Mühl nüchtern aus der eigenen Erfahrung, die erschreckende Wirkung mindert das nicht. Besonders stark erscheint ihr der Teil im Buch, in dem Koerfer seine Prädestinierung zum "idealen Opfer" nachvollzieht: Als "wohlstandsverwahrloster" Sohn gefühlskalter wohlhabender Eltern sucht er die Nähe der Täter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.03.2026
Rezensent Pitt von Bebenburg zeigt sich entsetzt über den Inhalt des Buches von Adrian Koerfer. Koerfer gehört zu den Missbrauchsopfern des Pädophilennetzwerks an der Odenwaldschule und zu den Kämpfern für Aufklärung und Konsequenzen "in vorderster Linie", wie Bebenburg weiß. Auch wenn vieles bekannt ist, erschüttert ihn, was der Autor über seine Erfahrungen aufschreibt, von der "Wohlstandsverwahrlosung" durch desinteressierte Eltern über das System der sexuellen Gewalt bis zum Austritt aus der Schule und dem erstmaligen Öffnen einer anderen Person gegenüber. Das Buch enthält Erkenntnisse, die über den Fall der Odenwaldschule hinausreichen, meint Bebenburg.
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