Christian Meier

Kultur um der Freiheit willen

Griechische Anfänge
Cover: Kultur um der Freiheit willen
Siedler Verlag, München 2008
ISBN 9783886809233
Gebunden, 368 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Wo und wann nahm Europa seinen Anfang? Vielleicht doch schon bei den Griechen? Aber wer waren die eigentlich? Und woher hatten sie, was sie dann auszeichnete? Der alte Orient hat sie stark beeinflusst, aber was sie hervorbrachten, war völlig anders, völlig neu: Ein einziges Mal in der Weltgeschichte wurde eine Kultur nicht um der Herrschaft willen gebildet, sondern von breiteren Kreisen her, die sich herausgefordert sahen, ihre Freiheit gegen alle davon ausgehenden Zumutungen zu befestigen und zu entfalten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2009

Dem Autor bescheinigt Walter Burkert einen "originellen" Zugang zur Antike. In der nun vorliegenden Darstellung der frühgriechischen Geschichte, in der es Christian Meier vor allem um die demokratischen Impulse der "poleis" und das Fortwirken der griechischen Kultur in "unserer eigenen Welt" geht, sieht der Rezensent das Besondere darin, dass der Autor den Orient "ganz ernst" nimmt und zugleich über die Grenzen unseres Wissens Bescheid weiß. Reicht das Material auch nicht für eine soziologische Analyse, auch der "unschönen" Aspekte der frühen Griechenwelt, so findet Burkert Meiers Leistung einer gut in die Forschung eingebetteten "historischen Synthesis" doch beachtlich. Einzigartiges der griechischen Städtekultur, wie die Individual-Literatur, sieht der Rezensent hier erschöpfend behandelt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2009

Mit hohem Lob bedenkt Torben Waleczek dieses Buch über die Entstehung der antiken griechischen Kultur, das der Historiker Christian Meier vorgelegt hat. Die Faszination des Autors für den Freiheitsdrang der Griechen kann er nur teilen. Den Fokus des Buchs sieht er dann auch in der Darstellung der gegenseitigen Bedingtheit von Kultur und Herrschaftsfreiheit in der Antike. Gewalt, Zwietracht, Tyrannis, Bürgerkrieg fielen dabei nicht unter den Tisch, die Betonung aber liegt für Waleczek mehr auf dem erstaunlichen Umstand, dass den alten Griechen die Freiheit gelungen ist, auch dank ihrer Kultur, die als Experimentierfeld für Lebensentwürfe und Normen fungiert habe. Die Darstellung scheint ihm insgesamt glänzend geschrieben und überzeugend argumentiert. Allerdings hätte er sich vom Autor etwas mehr über die Bezüge zum Europa der Gegenwart gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2009

"Große Geschichtsschreibung" hat Rezensent Uwe Walter hier gelesen und macht zu Anfang gleich deutlich, dass der nunmehr achtzigjährige Historiker Christian Meier mit diesem Buch nur die ersten beiden Kapitel seines auf insgesamt sieben Kapitel angelegten Werkes über "Die Alte Welt" vorgelegt. hat. Er hat also noch einiges vor! Einverstanden ist Walter vor allem mit Meiers Klarstellung, weil sie sich nicht auf simple Kontinuitätsformeln beschränken, sondern deutlich machen, dass die griechische Antike viel zu homogen war, als dass sie etwa eine Veränderungsdynamik wie das abendländische Europa hätte entfalten können, in dem "kreative Polaritäten zwischen Kirche und Staat, Stadt und Land, Reich und Territorien, Macht und Geist" herrschten, wie Walter schreibt. Was er in Meiers Buch großartig akzentuiert findet, ist die Ablehnung "starker Herrschaft" in der griechischen Kultur - weswegen für Walter auch die orientalische Verortung des antiken Griechenlands zumindest nur halb richtig sein kann. Sehr eindringliche Interpretationen fand der Rezensent darüberhinaus zu den griechischen Dichtern - vor allem zu Archilochos, wie er sich freut. Kritisch merkt er allerdings an, dass Meier allzu sehr die frühen Hellenen für die ganze Antike stehen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.02.2009

Als "große Geschichtsschreibung" feiert Rezensent Stefan Rebenich dieses Buch über die Geburt der abendländischen Kultur aus dem Geist der Freiheit der griechischen Polis. Man müsse schon fünfzig Jahre zurückgehen, um in deutscher Sprache eine "intellektuell vergleichbare Darstellung" der Entwicklung des europäischen Freiheitsgedankens zu finden, schreibt Rebenich mit Blick auf Alfred Heuß' "Griechische Geschichte" aus dem Jahr 1962. Der Historiker Christian Meier stelle seine Rekonstruktion der Entstehung der Freiheitskultur in die Tradition der "großen Deutungsversuche" von Nietzsche über Burckhardt bis Max Weber. Besondere Beachtung verdient dabei aus Sicht des Rezensenten Meiers Darstellung, dass sich die Kultur der Griechen ebenfalls in der - wenn auch sehr eigenständigen - Auseinandersetzung mit den "Leistungen und Errungenschaften" der benachbarten orientalischen Großreiche entwickelt habe. Dabei sei auch eine Kulturgeschichte des Politischen entstanden, für Rebenich der entscheidende Unterschied zu Heuß' Unternehmung, die er eher als "Politik- und Verfassungsgeschichte" einordnet. Nicht immer stimmt der Rezensent mit Meiers Sicht überein, was für ihn die Gesamtqualität des Ganzen mitnichten anfechten kann, dessen Fortsetzung er unbedingt wünschenswert findet.
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