Carmen-Francesca Banciu

Ein Land voller Helden

Roman
Cover: Ein Land voller Helden
Ullstein Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783898340038
Gebunden, 257 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Überarbeitete Fassung auf der Grundlage der Übersetzung aus dem Rumänischen von Georg Aescht. "War es Kitsch, Putsch oder Revolution?" Das ist der Arbeitstitel der Recherche, in der ein junger Journalist Radu Iosif, der sich selbst "der Sammler" nennt, einige der "verborgenen Helden" der Rumänischen Revolution gegen das Ceausescu-Regime befragt. Radu Iosif, begreift sich selbst als außenstehender Beobachter, da er im Dezember 1989 am "Tag, der die Welt veränderte", nicht mit den anderen auf die Straße ging. Er dokumentiert in Tonbandprotokollen die "Stimmen. Gefühle. Meinungen. Gedanken." von denen, die "aufbegehrt und gemeinsam widerstanden haben": Toma, Maria-Maria, Ilina, Maxim, Valer und Varvara. Ausgangspunkt und Zentrum der Gespräche und Monologe ist der Tag der Revolution und die Frage nach dem "Mechanismus, der die Explosion ausgelöst hat". Gleichzeitig erweist sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte als ein zum Teil sehr schmerzhafter Selbstfindungs- und Individualisierungsprozess jedes Einzelnen. Der Verlust der identitätstiftenden Gemeinschaft und des gemeinsamen Feindes machen eine Neubestimmung der eigenen Identität und des Sinn des Lebens notwendig und möglich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2000

Hat ein Volksaufstand oder eine interne Verschwörung im Dezember 1989 zum Ende des rumänischen Diktators Ceausescu geführt, fragte sich Karl-Markus Gauss und hoffte zunächst in dem neuen Roman von Carmen-Francesca Banciu Aufschluss über jene Ereignisse zu erhalten. Seine Erwartung wurde enttäuscht. Gauss` Meinung nach verrätselt die Autorin das Geschehen sogar zunehmend, obwohl ein junger, etwas zwielichtiger Journalist im Mittelpunkt der Handlung steht, der sich die Aufklärung der Ereignisse zum Ziel gesetzt hat. Den Rezensenten stört unter anderem die expressive Sprache des Buchs, die das Recherche-Ansinnen des Protagonisten konterkariere; überhaupt seien zu viele Ansprüche und Ebenen eingeführt und nicht durchgehalten: das Buch wolle "intimes Protokoll" und "kollektive Seelengeschichte" auf einmal sein, eine Verbindung, die der Autorin nicht gelungen sei. Schlimmer: die Ereignisse selbst im Dezember 1989 bleiben Gauss` zufolge unbenannt und werden mystifiziert.
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