Bret Easton Ellis

Weiß

Roman
Cover: Weiß
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462053517
Gebunden, 320 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke. Eine Polemik gegen den grassierenden Political-Correctness-Wahn in den USA und zugleich eine Verteidigung von Meinungs- und Kunstfreiheit. Viele Jahre liegen seit der letzten Veröffentlichung Ellis' zurück. Jahre, in denen er sich nur über Twitter und Podcasts geäußert hat. In seinem neuen Buch denkt er nach über seine eigenen Werke, ihre Entstehungen und Wirkung, über Filme, die er sieht, und Menschen, die er trifft . Er spricht Dinge aus, die manch einem in seinem Umfeld nicht gefallen werden. Ein Memoir, das es in sich hat: ein Selbstporträt und eine leidenschafliche Reflexion über Kunst in unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.04.2019

Marten Hahn hält Bret Easton Ellis' Aufruf zum Gespräch unter Erwachsenen für eine Pose. Eigentlich will der Autor nur provozieren, gegen Millenials und ihre Gefallsucht herziehen, über die Linke wettern und im übrigen ziemlich "denkfaul" zwischen den Stühlen hocken, meint Hahn. Dabei scheint dem Rezensenten durchaus spannend, was der Autor über seine raue Kindheit im Kalifornien der siebziger Jahre zu erzählen hat oder wie klug er das Fatale an der Identitätspolitik an Fallbeispielen illustriert. Leider geht Ellis der Stil und die Klarheit eines Wesley Morris ab, der all das schon 2018 aufgeschrieben hat, erläutert Hahn.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2019

Marc Neumann skizziert zunächst, wie kontrovers das Buch in Amerika aufgenommen wurde. Die modischsten Kolumnisten - Bari Weiss aus der New York Times etwa oder Isaac Chotiner vom New Yorker - haben sich gegen Ellis' Essays gewandt, weil er einfach nicht die Codes der heutigen Betroffenheitslyrik einhalten will. Es ist halt das Buch eines Autors der Generation X aus den knallbunten Achtzigern, der sich an den Schneeflocken aus der Millennial-Generation abarbeitet und diesen und den mit ihr verbündeten Medien kein so gutes Zeugnis ausstellt, so der Rezensent. Das ist toll, wenn auch politisch zwiespältig und manchmal sogar raffiniert, findet Neumann, der mit Ellis' Kritik an der "Entrüstungswirtschaft" wohl einiges anfangen kann. Neumanns Ausführungen zum Titel des Buchs, "Weiß", der entscheidend sei, lesen sich besonders interessant: Kann man denn tatsächlich behaupten, wie Ellis es laut Neumann tut, dass die Sprachrohre der Millennials alle weiß seien? Wie auch immer: Neumann findet es interessant, dass Ellis den Kern des Weißseins nicht wie die Millennials in historischer Schuld, sondern in der Kulturgeschichte der letzten vierzig Jahre sucht. Am Schluss lobt Neumann noch Ellis' Ehrlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2019

Peter Richter, eigens zum Interview nach Los Angeles gereist, bekommt aus Bret Easton Ellis nicht allzu viel heraus, was er nicht schon weiß oder ahnt. Zum neuen Buch kann er sagen, dass es kein Roman ist und irgendwie doch, denn als Mix aus Memoir und Zeitgeistschelte ist es genau das, was Ellis immer schon macht. Brillant findet Richter, wie der Autor hier seine herrlich unbehütete Jugend im San Fernando Valley beschreibt, weniger genial erscheinen ihm die Texte, in denen Ellis seine Skandaltweeds verteidigt, die Kritik der Kritik der Kritik quasi, so Richter. Wer wissen will, wie Amerika tickt, soll das lesen, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2019

Rezensent Jan Wiele empfiehlt die Essays von Bret Easton Ellis als brauchbare Grundlage für die kulturellen Debatten von heute. Der Autor liefert eine US-Kulturgeschichte von 1970 bis in die Gegenwart, meint er, rechnet mit der Gesinnungsgesellschaft und vor allem mit sich selbst ab. Seltsam findet Wiele den Gestus des entspannten Zeitgenossen. Dass ausgerechnet Twitterhitzkopf Elis hier zur Eindämmung hysterischer Selbstviktimisierung aufruft, erscheint ihm fragwürdig. Schwer erträglich findet er Elis' dauernde Selbstrechtfertigung im Buch und seinen Versuch, seine eigenen Werke zu deuten. Lesenswert hingegen scheinen ihm die Filmanalysen im Band.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.04.2019

Ach, hätte er doch nur einen Roman geschrieben, seufzt Rezensent Adam Soboczynski. Warum muss sich Bret Easton Ellis mit einer Autobiografie zurückmelden, die streckenweise eine einzige deprimierende Tirade gegen seine Kritiker auf Twitter ist, fragt er sich traurig. Politisch korrekt war Ellis ja nie, meint er und will es dem Autor gar nicht mal übel nehmen. Mit vielem hat er ja nicht unrecht, meint Soboczynski. Die heutige Empfindlichkeit scheint ihm auch manchmal auf den Keks zu gehen. In den 80ern konnte man eine Autorin wie Joan Didion trotz ihrer politischen Ansichten loben (sie stand den Republikanern nahe und hatte mit Hippies nichts am Hut), weil sie eben schreiben kann. Da macht Ellis schon den einen oder anderen Punkt, denkt sich der Kritiker. Aber die Wehleidigkeit und das Gejammer über die Leute wiegen für ihn die paar gelungenen Seiten nicht auf.