Tara Westover

Befreit

Wie Bildung mir die Welt erschloss
Cover: Befreit
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2018
ISBN 9783462050127
Gebunden, 448 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Eike Schönfeld. Tara Westover ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine Schulklasse betritt. Zehn Jahre später kann sie eine beeindruckende akademische Laufbahn vorweisen. Aufgewachsen im ländlichen Amerika, in den Bergen Idahos, befreit sie sich aus einer ärmlichen, archaischen und von Paranoia und Gewalt geprägten Welt durch - Bildung, durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten worden war. Ihr Vater, ein fundamentalistischer Mormone, war vom baldigen Ende der Welt überzeugt und voller Misstrauen gegenüber dem Staat, von dem er sich verfolgt sah. Tara und ihre Geschwister gingen nicht zur Schule, sie hatten keine Geburtsurkunden, und ein Arzt wurde selbst bei fürchterlichsten Verletzungen nicht gerufen. Und die kamen häufig vor, denn die Kinder mussten bei der schweren Arbeit auf Vaters Schrottplatz helfen, um über die Runden zu kommen. Taras Mutter, die einzige Hebamme in der Gegend, heilte die Wunden mit ihren Kräutern.
Nichts war dieser Welt ferner als Bildung. Und doch fand Tara die Kraft, sich auf die Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, auch wenn sie quasi bei null anfangen musste … Wie Tara Westover sich aus dieser Welt befreit, überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt, um den schmerzhaften Abnabelungsprozess von ihrer Familie bewältigen zu können, das beschreibt sie in diesem Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2018

Rezensentin Ursula Scheer kann kaum fassen, wie die Autorin Tara Westover in Iowa aufgewachsen ist: Als Kind streng religiöser Mormonen und sogenannter Prepper, die jederzeit die Apokalypse erwarten und sich darauf ihr Leben lang vorbereiten, wurde sie weder je behördlich registriert, noch hat sie eine Schule besucht, staunt Scheer. Wie sie es dennoch geschafft hat, sich von den Glaubenssätzen der Eltern zu emanzipieren, findet die Rezensentin nicht nur äußerst spannend und anrührend; die Memoiren der Autorin sind für sie vor allem ein Plädoyer für Bildung, die den Menschen auch "aus seiner nicht selbst verschuldeten Unmündigkeit" befreien kann, so Scheer. Was es sie gekostet hat, von der unbedarften Schülerin, die im Kunstunterricht fragt, was Holocaust sei, bis nach Cambridge zu kommen, kann man nur ahnen. Dass der Bruch mit Herkunft und Eltern Einsamkeit, aber letztlich auch Befreiung bedeutete, macht sie laut Rezensentin ganz klar.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2018

Rezensent Christoph Bartmann hofft auf "Nachahmungstäter" beim Lesen von Tara Westovers Bildungsbiografie. Wie es die Autorin vom Mormonenmädchen ohne Bildung und medizinische Versorgung zur Harvard-Absolventin geschafft hat, das nachzulesen, scheint Bartmann packend und erschreckend zugleich, weil für ihn die starke Bindung an das weltablehnende Elternhaus immer spürbar bleibt, das Ringen der beiden Welten, Westovers Flucht. Den Showdown zwischen Vater und Tochter findet er hollywoodesk. Einen dramatischeren, exemplarischeren Werdegang als den im Buch nachvollzogenen, kann er sich kaum vorstellen.
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