Mehr als 60 Abbildungen dokumentieren die Entwicklung der militärischen Aufklärungsorganisation der DDR, die vor allem als Verwaltung Aufklärung bekannt wurde. Der ihr von der politischen und militärischen Führung zugewiesene Aufgabenrahmen wird von Bodo Wegmann ebenso rekonstruiert wie die eingesetzten Mittel und Methoden. Sie reichten von Agenten und Hilfsnetzelementen, über Illegale, Legalisten und Militärattaches bis zur technischen und Satellitenaufklärung. Leitende Offiziere des Zentrums in Ost-Berlin und geheime Quellen im westlichen Operationsgebiet werden porträtiert. Der Leser erfährt vieles über die Kooperation auf internationaler Ebene (bes. im Warschauer Vertrag) und das Verhältnis der NVA-Aufklärung zu Diensteinheiten der Staatssicherheit. Ein besonderes Kapitel schildert Kenntnisse und Maßnahmen gegnerischer Geheimdienste. Die Arbeit basiert auf umfangreichen Quellen aus öffentlichen Archiven und nicht-öffentlichen Sammlungen, von nationalen und ausländischen Behörden sowie Nachrichtendiensten. Vieles wurde erstmals freigegeben. Darüber hinaus standen dem Autor mehr als 80 Zeitzeugen und Kenntnisträger aus Ost und West zur Verfügung. Aufgrund der Quellenvielfalt und präzisen Darstellungen bezeichnen die Gutachten diese Dissertation, die weniger zum Lesen als zum Nachlesen geeignet ist, als "histoire totale" und "umfassende Enzyklopädie des militärischen Nachrichtendienstes der DDR".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2005
Des Lobes voll ist Winfried Heinemann, was Bodo Wegmanns Umgang mit dem historischen Material in seiner Untersuchung über "Die Militäraufklärung der NVA" angeht. Das gewissenhafte Vorgehen des Autors bewahrt seine Analyse des einst als "Supergeheimdienst" gerühmten Nachrichtendienstes davor, in den Jargon eines Spionageromans abzugleiten. In Archiven in Freiburg und beim MfS hat Wegmann sich seine Informationen besorgt und sie nach dem strengen Schema: "Quellenlage, Organisationsgeschichte, nachgeordnete Strukturelemente" aufbereitet. Es zeigt sich: der Supergeheimdienst hat auch nur mit Wasser gekocht, vor allem "offene Quellen" abgeschöpft und "Funk- und Fernmeldeaufklärung" betrieben. Was den Rezensenten allerdings weniger freut, sind manche Schlüsse, die Wegmann aus seinen Informationen zieht. Heinemann vermutet, dass die "mitunter große Nähe" zu den Quellen und die "unkritische Abstützung auf Zeitzeugen" den Verfasser dazu verleitet haben, sich auch die ideologisch verzerrte Weltsicht der NVA-Aufklärung in Teilen zumindest zu eigen zu machen. Die Nachrichtendienstler hätten, so Heinemann, der Staatsführung "durchgängig ein grundfalsches Lagebild" vermittelt - weil sie nie die strikt defensive Ausrichtung der NATO akzeptieren wollten. Von solchen Verschiebungen der ideologisch-historischen Perspektive abgesehen, hat der Rezensent aber nur noch zu bemängeln, dass die Flut von Abkürzungen auch den geduldigsten Leser auf die Probe stellt - das Abkürzungsverzeichnis umfasst 15 Seiten, zweispaltig gedruckt.
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