Adolf Hitler plante in seiner Heimatstadt Linz ein großes Museum, das "Führermuseum". Zum Aufbau der Museumssammlung wurde 1939 der so genannte Sonderauftrag Linz installiert, der in Österreich und den besetzten Ländern aus beschlagnahmten und "sichergestellten", vor allem jüdischen Sammlungen Gemälde aussuchte und auch auf dem Kunstmarkt ankaufte. Alle Publikationen über das "Führermuseum" haben sich im Wesentlichen mit den kriminellen Aneignungsmethoden des Sonderauftrags Linz beschäftigt, deren Folgen bis heute die Museums- und Kunstwelt in Europa und Amerika erschüttern. Das vorliegende Buch ist ein entscheidender Beitrag zu einer systematischen und wissenschaftlichen Bearbeitung der Museumsplanungen und des Bestandes sowie der Geschichtedes Sonderauftrags.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2004
Eduard Beaucamp rühmt die "bemerkenswerte Präzision", mit der Birgit Schwarz ihre Aufklärungsarbeit um das sagenumwobene "Führermuseum" in Linz, an dessen Vorbereitung Hitler "leidenschaftlich Anteil" genommen habe, betreibe. Im Jahre 2000 sei die Autorin in der Berliner Oberfinanzdirektion auf Fotoalben gestoßen, die die für das Museumsprojekt vorgesehenen Gemälde dokumentierten. Dadurch sei es möglich geworden, das in Frage stehende Projekt von anderen nationalsozialistischen Kunstunternehmungen zu unterscheiden und Mythos von Fakt zu trennen. Bei Durchsicht der "etwa tausend Werke" in den Fotoalben bestätige sich die Qualität der Linzer Sammlung. "Ihre Grundpfeiler sind Renaissance und Barock und auf der Gegenseite das deutsche neunzehnte Jahrhundert." Beim Kanon der "Alten Meister" gebe es keine chauvinistische Verzerrung. "Purer Nationalismus" habe allein für das 19. Jahrhundert geherrscht, wo der wilhelminische Geschmack vorwalte - "penetrant die Münchner Kleinmeister". Ansonsten beweise Hitler aber unerwarteten Kunstverstand. Schwarz mache in ihrer Studie, die viele Legenden zerstreue, allerdings auch deutlich, so der Rezensent, dass der "partienweise hohe Rang" das Linzer Unternehmen "nicht nobilitieren" könne, denn: "Die Umstände seiner Entstehung waren kriminell. Der Glanz war geraubt, der Markt erzwungen, das Angebot erpresst." Auch nach dem Krieg hätten die verantwortlichen Kunsthistoriker und Museumsleute ohne Gewissensbisse ihre Karrieren weiterverfolgt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2004
Gottfried Knapp skizziert zunächst die Umstände, die seiner Meinung nach bis jetzt verhindert haben, dass eine "sachliche Auseinandersetzung" mit den Fotoalben stattfindet, die das geplante "Führermuseum" in Linz dokumentieren. Umso begrüßenswerter findet er den Band von Birgit Schwarz, die sich darin mit 19 der erhaltenen 31 Fotoalben beschäftigt und eine "erste systematische Auswertung" der darin abgebildeten, überall in Europa gestohlenen Kunstwerke bietet. Das Buch erstelle damit ein "Gerüst", das es erlaubt, die "recht widersprüchlichen Aktivitäten" rund um das geplante Museum zu untersuchen, lobt der Rezensent. Er sieht in den Alben nicht nur den beispiellosen Raubzug dokumentiert, der das "Führermuseum" zur einer der größten Kunstsammlungen Europas gemacht hätte, sondern auch die Widerspiegelung der "politischen Geschehnisse" und Verbrechen der Nazi-Zeit.
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