Beute

Eine Anthologie zu Kunstraub und Kulturerbe
Cover: Beute
Matthes und Seitz, Berlin 2021
ISBN 9783751803120
Gebunden, 430 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Isabelle Dolezalek, Bénédicte Savoy und Robert Skwirblies. Die Frage der Restitution geraubter und enteigneter Kulturgüter ist nicht neu, es handelt sich vielmehr um eine Frage, die unweigerlich mit allen Kriegen in der Menschheitsgeschichte und den damit einhergehenden wechselnden Herrschafts- und Besitzverhältnissen verknüpft ist - und über die sich Intellektuelle und Autoren aller Zeiten und Kulturen den Kopf zerbrochen haben. Schon der antike Geschichtsschreiber Polybios tritt vehement gegen die Zurschaustellung erbeuteter griechischer Kunst in Rom auf, Cicero stellt die Frage, ob die Ankäufe eines sizilianischen Statthalters ohne Zwang vonstattengegangen seien. Auch Petrarca und Goethe haben zu dieser Frage Stellung bezogen, ebenso wie Victor Hugo und Emil Nolde. Bis hinein in die Gegenwart, über Aimé Césaire und François Mitterrand zu Aminata Traoré reichen die rund sechzig Quellen, die in diesem Band abgedruckt, kontextualisiert und analysiert werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2022

Rezensent Andreas Kilb rät, genau hinzuschauen bei der Betrachtung postkolonialer Diskurse im Zusammenhang mit Beutekunst und auch bei der Lektüre der von Benedicte Savoy u. a. herausgegebenen doppelbändigen Anthologie über Kunstraub und kulturelles Erbe. Dem Leser könnte ansonsten laut Kilb entgehen, dass die Autoren feine Unterschiede machen zwischen "guter" und "böser" Archäologie, etwa zwischen "osmanischer Archäologie" und "Aneignung" (im Fall der Ausgrabung des Alexandersarkophags und seiner Verbringung nach Istanbul) und "Entzug" (im Fall von Teilen des jordanischen Schlosses Mschatta und ihres Transports nach Berlin). Unparteilichkeit sieht anders aus, findet der Rezensent. Den "Anschein von Objektivität" wahren Herausgeber und Autoren für Kilb immerhin, indem sie die Missetaten der Kreuzfahrer neben die arabischer Schatzjäger in Ktesiphon stellen. Wieso das Narrativ der Errettung von Kunstschätzen nicht mehr gelten soll, können die Autoren Kilb allerdings nicht vermitteln. Ein Kapitel zur "Geschichte der Kulturzerstörungen" enthalten die Bände leider nicht, bedauert der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.05.2021

Rezensentin Eva Hepper empfiehlt den von Bénédicte Savoy u.a. herausgegebenen Doppelband zum Thema Kunstraub, Kulturerbe und Restitution. Der Bildmotive der Aneignung bzw. Rückgabe versammelnde Bildband mit über 80 Fotos, Zeichnungen, Comics, Social-Media-Post etc. korrespondiert laut Hepper prima mit der Anthologie mit Texten von Polybios über Victor Hugo bis Aminata Traoré. Originell, meint Hepper, weil sich lernen lässt, wie tief die mit Raubkunst verbundenen Vorstellungen und Rechtfertigungen im kollektiven Gedächtnis sitzen und durch die Jahrhunderte weitergereicht, variiert und erneuert werden. Die Bilder und ihre Kontextualisierungen ergeben laut Hepper auch eine multiperspektivische Weltgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.05.2021

Rezensentin Swantje Karich empfiehlt die von Bénedicte Savoy herausgegebenen Bände aus Bildatlas und Kunstraub-Anthologie nicht nur unbelehrbaren Museumsleuten, sondern ebenso interessierten Laien. Zu erfahren ist laut Rezensentin, wie der Habitus der Museen die Aufarbeitung der Provenienzgeschichte von Raubkunst über Jahrzehnte behindert hat, in Deutschland und anderswo. Wie ineinandergreifende Puzzleteile scheinen ihr die von Savoy zusammengetragenen Dokumente zu belegen, wie der Kolonialismus bis heute weiterwirkt.

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