Bettina Spoerri

Herzvirus

Roman
Cover: Herzvirus
Braumüller Verlag, Wien 2016
ISBN 9783992001545
Gebunden, 300 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Eine Heranwachsende erlebt, wie sich ihre Mutter, verstrickt in den Fängen einer seelischen Erkrankung, immer weiter von der realen Welt entfernt. "Herzvirus" ist die Geschichte der Autorin, die mit über dreißig Jahren Abstand nochmals einen Annäherungsversuch an diese prägende Kindheitserfahrung und ihre damals entschwundene Mutter wagt. Sie lebt mit ihren Fantasien an den Rändern der Wirklichkeit, ängstlich beobachtet und bewundert von ihrer Tochter. Sie wächst mit einer Mutter auf, die vieles auf ihre ganz eigene Weise tut, Konventionen missachtet, in Büchern, Musik und Filmen lebt, aber in zwanghaften Gedanken Briefkästen sprengt oder andere Menschen zu vergiften meint - bis zu dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. "Herzvirus" zeichnet das Psychogramm einer Beziehung nach, in der Schrecken, Wahn und Freiheit so nahe beieinanderliegen, dass sie sich bisweilen nicht voneinander unterscheiden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2016

Wie geht es einem Kind mit manisch-depressiver Mutter? Silke Scheuermann ist tief berührt von Bettina Spoerris autobiografischem Roman, der genau das beschreibt. Aus vergessen geglaubten Erinnerungsbildern entsteht laut Scheuermann eine chronologische Krankheitsgeschichte aus der Sicht des Kindes, zauberhaft erst, dann zunehmend verstörend, immer suggestiv und spielerisch vermittelt von der Autorin. Zugleich lernt die Rezensentin das Schicksal einer Frauengeneration zwischen gesellschaftlicher Unterdrückung und dem Willen zur Emanzipation kennen. Die allmähliche Erfassung der Krankheit der Mutter mit Begriffen und Bildern hat Scheuermann besonders fasziniert und machen das Buch für sie zum Roman, zu einem Kammerspiel, intensiv und den Grat zwischen Normalität und Wahnsinn fein ausbuchstabierend, meint sie. Dass die Autorin die Geschichte der Mutter nicht nur als Fallbeispiel sieht, sondern auch ihr Wunderbares würdigt, findet Scheuermann bemerkenswert.