Zwei Frauen, eine im Schatten der anderen: Verpasst erzählt die Geschichte einer Mutter und ihrer Tochter Emma, die beide Halt im Leben suchen, aber einander keine Stütze sein können. Gefangen in einem Wechselspiel aus Idealismus und gesellschaftlichem Druck erkennen sie nicht, dass man manchmal nur auf den Lauf der Dinge vertrauen sollte. Während die Mutter in ihrem perfektionistischen Bestreben danach, ihr Leben planmäßig zu entwerfen und nichts auszulassen, nicht das Gefühl hat, es wirklich gelebt zu haben, kämpfte Emma von Kindheit an um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter und versuchte stets die Leere zu überdecken, die das Fehlen der mütterlichen Zuneigung in ihr hinterlassen hat. Denn was kommt dabei heraus, wenn man zu genaue Vorstellungen vom Leben hat oder mehr auf die Wünsche der anderen als auf seine eigenen hört?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2024
Ein erstaunliches Romandebüt ist der jungen Autorin Hannah Oppolzer gelungen, findet Rezensentin Anna-Louisa Schönfeld. Hauptfigur ist, lernen wir, Emma, 25 Jahre alt, die prinzipiell weiß, wie ihr Leben aussehen soll. Dennoch kommen ihr Zweifel, zum Beispiel, wenn sie überlegt, wie es wäre, statt mit ihrem Freund mit dessen Bruder zusammen zu sein. Auch das Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht leicht; während die Mutter wiederum bereut, bereits in jungen Jahren ein Kind bekommen zu haben. Gut bekommt die Autorin laut Kritikerin das Gefühl der Unsicherheit von jungen Menschen zu greifen, die wissen, dass ihre Entscheidungen große Auswirkungen auf ihre Zukunft haben können. Auch, dass es Oppolzer in einigen Passagen gelingt, die Perspektive der Eltern Emmas einzunehmen, beeindruckt Schönfeld. Ein starker Roman, der die Zwischentöne trifft, lobt sie.
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