Heiligabend. Die Ich-Erzählerin sitzt allein in ihrer Wohnung und wartet wie in jedem Jahr auf den Anruf der entfremdeten Tochter - vergeblich. Wie konnte es zu dieser Entfremdung kommen? In Rückblenden lässt die alte Frau die Stationen ihres Lebens Revue passieren, spaziert durch die winterliche Hauptstadt und schmiedet einen verzweifelten Plan …
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.09.2023
Tief berührt zeigt sich Rezensent Jérôme Jaminet nach der Lektüre dieser Novelle über gestörte Mutter-Tochter-Verhältnisse: Steckel, selbst schon fast 90 Jahre alt, setzt Eva in den Fokus des Textes, eine alte, einsame Frau, die über ihr Leben sinniert und darüber nachdenkt, was sie in der Beziehung zu Tochter Emily falsch gemacht hat. Sie hat den Kontakt zu ihr abgebrochen, vielleicht war Eva in den entscheidenden Momenten zu karrierefixiert, deutet Jaminet an und macht klar, dass Eva sich das deutlich vorwirft. Den Diskurs um Mutterschaft und Frausein kennt der Rezensent schon schon von Helga Schubert oder Fatma Aydemir, bei denen gehe es aber eher um die verletzten Töchter, hier um den inneren Widerstreit der Mutter. Ein "formvollendetes Alterswerk", findet der Kritiker, der nach diesem "Portät einer Schmerzensmutter ohne Heiligenschein" dazu rät, mal die eigene Mutter anzurufen.
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