Ein anderes Leben
Roman

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783737101653
Gebunden, 240 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Wer war Hanna? Diese Frau, die so oft aus der Rolle fiel, die nacheinander ihre drei Studienfreunde heiratete und drei Töchter bekam, immer mit Gedichten im Kopf, über die sie den Alltag vergaß, die ihren Platz suchte zwischen den Erwartungen der Familie an sie und den eigenen Ansprüchen - und nur selten für sich sein konnte. Viele Jahre nach Hannas Tod blickt die jüngste Tochter zurück auf das Leben ihrer Mutter, auf die eigene Kindheit im Rheinland der Siebziger und Achtziger, in der Hanna dafür sorgt, dass die Tage immer etwas anders sind als üblich. Ein Leben zwischen Bürgerlichkeit und Boheme: mit Champagner und Puschkin am Sonntagmorgen im Bett, Besuche nach der Schule in der Institutsbibliothek, wo die Mutter arbeitet und mit verschüchterten Studenten flirtet, Pokern unterm Weihnachtsbaum, abenteuerliche Fahrten in der Ente - bis sich Hanna entscheidet, die Familie zu verlassen und ihr Leben allein von vorn zu beginnen. Caroline Peters erzählt von den Fragen einer Tochter an die verstorbene Mutter und an sich selbst - und davon, was es heißt, eigene Wege zu gehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Eine großartige Liebeserklärung an einen untergegangenen Lebensstil ist Caroline Peters in ihrem Romandebüt gelungen, jubelt Rezensent Nils Minkmar. Der Einstieg in dieses Buch freilich, gesteht er ein, ist nicht leicht, es dauert ein wenig, bis man sich zurechtfindet in der Geschichte dieser Familie, in deren Zentrum eine Mutter steht, Hana, die einst Lexikonverkäuferin war - und mit drei anderen Lexikonverkäufern drei Kinder hat. Von heute aus betrachtet sind die geschilderten Familienverhältnisse laut Minkmar alles andere als geordnet, geschweige denn instagramoptimiert, vielmehr dominiert hier Improvisationskunst und der Wunsch, im Leben weiter zu kommen. Im Hintergrund schwingt dabei freilich, erläutert der Rezensent, der Massenmord an den europäischen Juden mit. Wichtig sind in der Familie, heißt es weiter, die Wissenschaft und vor allem die Literatur, insgesamt fügt sich das Buch zu einem ergreifenden Porträt des Bildungsbürgertums. Die Beschäftigung mit Büchern steht hier noch wie selbstverständlich im Zentrum allen Interesses, staunt Minkmar, gerade auch die Beschäftigung mit russischer Kultur ist sehr wichtig. Insgesamt ist Peters ein tolles Buch über unkonventionelle Familienverhältnisse gelungen, resümiert Minkmar, der sich an Peters' Rollen als Schauspielerin erinnert fühlt und den Roman allen ans Herz legt, die noch an die Macht der Literatur glauben wollen.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 12.10.2024
Für den Rezensenten Tilman Krause ist dieses Buch der Schauspielerin Caroline Peters nicht weniger als ein "Labsal". Denn Mutterbücher gibt es viele, aber selten wird eine derart selbstbewusste, trinkfeste und moderne Intellektuelle wie Peters' Heldin Hanna porträtiert, freut sich der Kritiker. Es ist Peters' eigene Mutter, die hier, nachdem sie sich drei Töchter von drei Männern machen lässt, der Häuslichkeit entflieht, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, resümiert der Rezensent. Jene Hanna zeichnet die Autorin in all ihrer Ambivalenz, mit Empathie und Witz, freut sich Krause. Und das tolle Gespür der Schauspielerin für "charakteristische Sätze" lässt den Kritiker annehmen, dass der Roman auch gut auf der Bühne funktionieren könnte.