Berthe Arlo erzählt in tagebuchartigen Erzählungen von der Realität des Sterbens, von der Überforderung der Pflegenden - und auch von der Unverschämtheit mancher Heimbewohner. Sie lässt kein Tabu aus: Einerseits ist es die ungeschönte, geradezu brutal geschilderte Realität, andererseits ein oft poetischer Text, manches hat einen surrealen Touch, und man denkt unwillkürlich an Dostojewskis Aussage, dass nichts fantastischer sei als die Wirklichkeit. Man möchte das nicht lesen, und doch kann man nicht mehr aufhören: Könnte es meinen Eltern auch einmal so gehen, oder mir selbst? Der Text ist dreißig Jahre alt, denn damals arbeitete die heute über 80-jährige Autorin als Nachtpflegerin in einem Pflegeheim. Erstaunlicherweise hat sich an den Verhältnissen nicht viel geändert.
Rezensent Frederic Valin ist dankbar, mit den 30 Miniaturen der ehemaligen Altenpflegerin Berthe Arlo nicht nur ein wenig hinter die Kulissen der Altenpflege schauen zu dürfen, sondern mit den tragischen und manchmal komischen Geschichten über Schicksale und Schrullen auch viele anrührende Menschen kennenzulernen, Pflegebedürftige und Pflegende. Dass Arlo keinen "Brandbrief" zur Situation in der Pflege schreibt, sondern sich mit viel Empathie den bedürftigen Menschen und ihrer Welt widmet und sie als Persönlichkeiten zeichnet, gefällt Valin sehr.
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