Niemand lebt ewig. Glücklich ist, wer seine letzten Jahre mit einem geliebten Menschen teilen kann. Stefan Schütz berichtet nicht ohne Sinn für Komik von dieser letzten Zeit, die viele alleine zu verbringen gezwungen sind. Er erzählt aus dem Pflegeheim, das er täglich besucht, vom Greis und der Greisin, vom Alltag der Gebrechlichkeit und Demenz. Er lässt uns Begleiter des letzten Stück Wegs sein: Ein Lobgesang auf die Liebe, die über den Tod hinausgeht. Aber auch die Abrechnung mit der Gegenwart und der Welt, mit dem zärtlichen und zugleich desillusionierten Blick eines Abschiednehmenden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.07.2016
Tief berührt zeigt sich Rezensent Jörg Magenau von "Unser Leben", den er vorsichtig und in Ermangelung eines treffenderen Begriffs ein "autobiografisch-poetisches Stenogramm" nennt. Trotz der Drastik und Direktheit mit der Autor Stefan Schütz hier das Zusammenleben und die Gespräche mit seiner dementen Frau beschreibt und festhält, ist sein Buch weit mehr als einfach ein Bericht über Demenz: Es ist ein hoch philosophisches und poetisches Werk, versichert Magenau. Der Zustand der geliebten Person werde zur "Metapher der flüchtigen menschlichen Existenz", das Zusammenleben mit ihr zur radikalen Sinnfrage, erkennt Magenau, voller Bewunderung und Mitgefühl für den Autor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.06.2016
Rezensent Ulrich Seidler frappiert die Unerbittlichkeit im neuen Buch von Stefan Schütz. Dass der Autor literarisch wenig gewürdigt wird, scheint ihm angesichts der Wucht dieser in den Gesang drängenden Prosa beinahe unwichtig. Kunstvoll, sensibel, brutal und niederschmetternd findet er den dichten, bildstarken Text, der von Liebesglück und Siechtum erzählt, aber auch tröstlich, weil es dem Autor laut Seidler gelingt, Leid zu reflektieren und zu Kunst zu machen.
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