Was ist Alter? Wann beginnt es? Wann ist man alt? "Eigentlich gibt es kein Alter", schreibt Hannelore Schlaffer, "denn wer alt und glücklich ist, kann sich für jung halten." Ist man also tatsächlich so alt, wie man sich fühlt? Von der Antike, die ein Lob des Alters sang, bis zum Heute der "Selpies" (second life people), der "Uhus" (der Unterhundertjährigen) und der "Mumienpässe" (der Rentnerausweise) sucht die Autorin alle möglichen Figuren und Orte des Alterns auf und entdeckt dabei eine ganze Kultur, die mit der Abwehr von Krankheit und Tod beschäftigt ist.
Bei Suhrkamp gibt es die neue Reihe "Bibliothek der Lebenskunst", die sich als "erbauliche Ratgeberliteratur für Menschen mit Abitur und weiterem Bildungsbedarf" zu verstehen scheint, mokiert sich die Rezensentin Renee Zucker. Dass Ratgeberlektüre jedoch nicht immer erbaulich ist, das hat sie bei der Lektüre von Hannelore Schlaffers Buch über das Alter am eigenen Leib erfahren müssen. Die Autorin, so Zuckers Eindruck, scheint "einer üblen Laune nachgegeben zu haben" und, durch aufgesetzt altersverharmlosende Frauenzeitschriften ("Alt, ja und?") entnervt, den "Zettelkasten" der Rubrik "Alter" in ein Buch ausgekippt zu haben. Doch die Bitterkeit, mit der dies geschieht, findet die Rezensentin befremdend. Schlaffer stelle die Vagheit des heutigen Altersbegriffes fest, der eine eindeutige Abgrenzung nicht mehr ermöglicht (Seniorenstudenten, Seniorenväter und dergleichen) und denunziere das Wunschbild des würdevollen Alterns als "kulturelle Verbrämung" einer rauen Wirklichkeit, die vor allem Frauen hart treffe, da sie mit der Schönheit auch die Jugend verlieren. Es gebe eben keine "alte Venus". Stimmt, schlägt Zucker zurück, aber es gibt auch keinen "alten Adonis". Womit wir wieder am Anfang ständen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
Hannelore Schlaffers "schöne und essayistisch gehaltene" Beschäftigung mit dem Thema Alter hat dem mit "upj" zeichnenden Rezensenten offenbar gut gefallen. Bei der Lektüre hat er erfahren, dass es sich bei diesem "merkwürdig dehnbaren Phänomen" (denn "bei Frauen scheint das Alter früher zu beginnen") um eine eher "junge Angelegenheit" handelt. In der Tat sei im "deutschen Kulturraum" das Alter erst im 19. Jahrhundert "erfunden" und mit Bismarcks Sozialreformen zur "Staatsaufgabe" gemacht worden. Vielleicht aber, so der Rezensent, ist das Alter vor allem eines: "die - kluge und gelassene - Einsicht in die Unmöglichkeit ewiger Jugend", wie etwa in Goethes "Mann von fünfzig Jahren".
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