Bernhard Viel

Egon Friedell

Der geniale Dilettant. Eine Biografie
Cover: Egon Friedell
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406638503
Gebunden, 352 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Als Hitler im März 1938 in Wien einmarschierte, stürzte sich Egon Friedell aus dem Fenster seiner Wohnung. Der Schriftsteller, Kabarettist und begnadete Schauspieler setzte damit seinem ungewöhnlichen Leben auf tragische Weise ein Ende. Friedell war ein "Wiener Original". Als bissig-brillanter Kommentator entzückte er mit blitzenden Pointen das Publikum. Mit seiner legendären "Kulturgeschichte der Neuzeit" eroberte er sich seinen Platz im Pantheon der Geschichtsschreibung. Bernhard Viel spürt in seiner Biografie der Persönlichkeit Friedells nach, die einen doppelbödigen, ja prekären Charakter aufwies: Traumatisiert seit seiner Kindheit, verstärkte die ungeliebte jüdische Identität die inneren Konflikte maßgebend. Viel macht die Verletztheit sichtbar, mit der Friedell hinter der virtuosen Selbstinszenierung zu kämpfen hatte - und die gleichzeitig ein wesentlicher Antrieb seiner Kunst war.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2013

Ludger Lütkehaus entnimmt dieser Biografie des genialen Workaholic Egon Friedell eine ganze Menge an Einzelheiten über Leben und Werk des Multitalents. Neben der Fressgier sind das sein Witz und seine Fähigkeiten als Kabarettist, Autor, Journalist, Schauspieler, Historiker etc. Alles historiografisch akkurat verhandelt, wie wir von Lütkehaus lernen, von Bernhard Viel, dessen Text laut Rezensent epochengeschichtlich in die Breite geht und doch detailliert ist. Freilich erst nachdem er nach "zahllosen" Wiener G'schichten endlich zur Sache, das heißt zu Friedell, kommt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.07.2013

Sven Brömsel begrüßt Bernhard Viels Biographie über Egon Friedell (1878-1938), Autor der monumentalen "Kulturgeschichte der Neuzeit". Dass der Wiener, der lange in Berlin lebte, auch als Kritiker, Satiriker, Essayist und Schauspieler hervorgetreten ist, scheint heute weniger bekannt. Brömsel hebt diesbezüglich hervor, dass der Autor Friedell überzeugend als "Gesamtkunstwerk" darstellt, dessen Widersprüche aber nicht unter den Teppich kehrt. Das Buch scheint dem Rezensenten nicht nur Biografie, sondern zugleich Kulturgeschichte, die ein lebendiges Bild der Epoche zwischen Gründerzeit und Nationalsozialismus entwirft. Eindrucksvoll findet er die Darstellung von Friedells Netz von Freundschaften und Bekanntschaften von Peter Altenberg und Alfred Polgar über Oskar Kokoschka, Arthur Schnitzler und Gustav Klimt bis zu Max Reinhardt. Allerdings hätte Brömsel gern mehr über die Bedeutung Nietzsches für Friedells kulturpessimistisches Geschichtsbild erfahren. Nichtsdestoweniger lobt er das Buch als überaus verdienstvolles Werk, das die Grundlage für die weitere Beschäftigung mit Friedell geschaffen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.05.2013

Bernhard Viels Biografie des Historikers Egon Friedell, des Autors der berühmten "Kulturgeschichte der Neuzeit", scheint vom C.H. Beck Verlag bloß für den konkreten Anlass geplant zu sein, vermutet Michael Stallknecht, der Todestag Friedells jährt sich heuer zum fünfundsiebzigsten mal. Offenbar hat die Zeit nicht für eine ordentliche Biografie ausgereicht, beschwert sich der Rezensent. Ihm zufolge häufen sich die Flüchtigkeitsfehler, es hapert an der Wissenschaft und in seinen zentralen Interpretationen der "Kulturgeschichte der Neuzeit" ist es so ungenügend wie "andere vulgärpsychologische Erklärungen des Buchs", wettert Stallknecht.
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