Bernhard Siegert

Passagen des Digitalen

Zeichenpraktiken der neuzeitlichen Wissenschaften 1500-1900
Brinkmann und Bose Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783922660804
Gebunden, 622 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Zum einen eine historische Grammatologie der neuzeitlichen Wissenschaften, zum anderen eine Archäologie der technischen Medien.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2003

Manfred Schneider ist von diesem Buch über die Geschichte der Zeichenpraktiken von 1500 bis 1900 absolut begeistert. Dass eine Schilderung der "Aufschreibepraktiken", wie Bernhard Siegert sie hier vorgelegt hat, überhaupt "spannend" sein kann, hatte sich der Rezensent nicht vorstellen können, nun ist er aber angenehm überrascht, was für ein "hinreißendes intellektuelles Vergnügen" die Lektüre darstellt. Allerdings verlangt das Buch durch seine wissenschaftliche "Genauigkeit" und den hohen "theoretischen Anspruch" seinen Lesern einiges ab, warnt Schneider. Nimmt man aber diese Anstrengungen auf sich, wird man nicht nur durch einen "gewaltigen Anekdotenschatz" amüsiert, sondern zugleich durch eine "sorgsam in Formeln, Funktionen, Schaltplänen dokumentierte Diskursgeschichte" geführt, so der Rezensent beeindruckt. Was die Darstellung für ihn so "einzigartig und zukunftweisend" macht, ist Siegerts Verschmelzen von Philosophie, Mathematik, Physik und Psychoanalyse zu einer "Diskursanalyse", so Schneider hingerissen. Der Rezensent preist das Buch als "brillantes Werk", das bei aller Wissenschaftlichkeit auch neben den "schönsten Seeabenteuerbüchern" bestehen könne, weil es derart fesselnd und unterhaltsam ist, und er ist beinahe überwältigt von dieser "glänzenden, farbigen, dramatischen und detailreichen" Studie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2003

"So macht Medientheorie Laune" verkündet schon die Überschrift von Christoph Albrechts Besprechung. Denn Bernhard Siegert schreibe hier, lobt Albrecht, "die orthodoxe Medienhistorie nicht nur gelehrt fort. Er erzähle auch eine spannende Schauergeschichte". Die "Fülle teils exotischer, teils klassischer, aber für den Kulturhistoriker ungewohnter Quellen", die Siegert hier ausbreite und philosophisch durchdringe, würde den Leser "elektrisieren". Denn inhaltlich geht es darum, Stationen der Technikgeschichte - wie die Erfindung des Blitzableiters etwa - zu beziehen auf "den Anfang einer neuen Welt, in der sich kontingente Daten nicht mehr durch eine stetige Funktion beschreiben lassen". Dabei erreiche Siegert, lobt der Rezensent begeistert, "auf geniale Weise sein Ziel, die historische Textur" des behandelten Zeitraums zu rekonstruieren. Gestört hat sich Albrecht nur am Gestus des Autors und fragt sich daher, ob denn - gerade angesichts des Gegenstandes - wirklich "immer alles 'ganz', 'exakt', 'streng' oder 'präzise' sein" müsse.
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