Mit dem Namen Kurt Eisner verbindet sich vor allem der von ihm initiierte Sturz der bayerischen Monarchie im Jahre 1918. Diese Tat und sein Wirken als erster bayerischer Ministerpräsident bilden noch heute den Gegenstand heftiger Kontroversen. Die vorliegende Biografie stellt anhand zahlreicher neuer Quellen Leben und Werk des jüdischen Sozialisten erstmals in aller Ausführlichkeit vor und führt zugleich zu einer Neubewertung Eisners als Politiker. Als Kurt Eisner am 7. November 1918 durch eine revolutionäre Aktion den bayerischen König stürzte und eine neue, sozialdemokratisch dominierte Regierung bildete, war er dem Großteil der bayerischen Bevölkerung nahezu unbekannt. Wie kam es, daß ausgerechnet ein aus Berlin stammender Sozialdemokrat jüdischer Abstammung das nötige Gespür für die in Bayern herrschende Stimmungslage und den Mut zum Handeln aufbrachte? Die vorliegende Biographie beantwortet diese Frage und zeichnet Eisners Lebensweg in allen seinen Stationen nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2017
Wenn es um die Ereignisse im München der Jahre 1918 und 1919 geht, schwört Florian Welle auf Bernhard Graus Eisner-Biografie. Schon wegen des sachlichen Tons. Aber auch, weil der Autor den Sturz der Monarchie unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Eisners quellensatt nachzeichnet wie Welle versichert, und weil er Eisners politisches Handeln aus dem Lebenslauf des Revolutionsführers und schließlich ersten bayrischen Ministerpräsidenten erklärt. Ausführlich erfährt Welle über Eisners bürgerlich-jüdische Sozialisation, über seinen Versuch, Kant und Marx zusammenzudenken oder auch über seine Arbeit als Journalist. Für Welle rückt der Autor Eisner damit gerade, und aus dem weltfremden Utopisten wird ein Realpolitiker, meint er.
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