Bernd Mattheus

Cioran

Portrait eines radikalen Skeptikers
Cover: Cioran
Matthes und Seitz, Berlin 2007
ISBN 9783882218916
Gebunden, 448 Seiten, 28,90 EUR

Klappentext

Emile M. Cioran, geboren 1911 im rumänischen Sibiu (Hermannstadt), studierte an der Universität Bukarest, wo er mit Mircea Eliade und Eugene Ionesco eine lebenslange Freundschaft schloss. Nach einem längeren Aufenthalt in Berlin emigrierte er 1937 nach Paris; seit dieser Zeit schreibt er auf französisch. Der Verfasser von stilistisch brillanten Aphorismen und Essays pessimistischster Prägung erregt schließlich mit der 1949 erschienenen Schrift "Lehre vom Zerfall" großes Aufsehen. Das Buch, das ihn international bekannt machte, wurde von Paul Celan ins Deutsche übersetzt und begründete seinen Ruf als unerbittlicher Skeptiker. Es folgen viele weitere kompromisslose Werke wie "Syllogismen der Bitterkeit" oder "Die verfehlte Schöpfung". Bis in die späten 1980er Jahre bleibt Ciorans finanzielle Lage prekär, 1995 stirbt der Aristokrat des Zweifels und der Luzidität als gefeierter Denker in Paris.
Sein widersprüchliches Leben ist noch nie so detailreich rekonstruiert worden wie in der vorliegenden Biografie von Bernd Mattheus. In bisweilen schmerzlicher Nähe zu den Äußerungen des Selbstmord-Theoretikers beleuchtet er auch die bislang wenig bekannte Zeit vor seiner Emigration nach Frankreich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.05.2008

"Differenziert und facettenreich" findet Rezensent Wolfgang Müller das Bild, das diese Biografie von Emil Cioran zeichnet. Denn sie erzählt, wie man Müllers Schilderung entnehmen kann, nicht einfach ein Leben nach, sondern liefert auch ideengeschichtliche Hintergründe. Der Rezensent zeichnet mit sichtlicher Faszination für die Extreme dieser Lebensgeschichte, Ciorans radikale Theoreme und Ansichten inklusive, noch einmal Stationen der Biografie und des 20.Jahrhunderts nach, für das sie in gewissen Weise exemplarischen Wert zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2008

Markus Bauer stellt zwei neue Biografien Emil Ciorans vor, die beide sein Wohlwollen finden: Bernd Mattheus charakterisiert in seinem Porträt den in Rumänien geborenen, später nach Frankreich exilierten Denker und Schriftsteller als "extremen Skeptiker", der gegen die systematische Philosophie anschrieb und sich konsequent dem literarischen Parkett entzog. Dass der Biograf, selbst Philosoph und Übersetzer, nicht versucht, die Widersprüche und unsympathischen Positionen in Leben und Werk Ciorans aufzuheben oder wegzuerklären, wie beispielsweise die frühen antisemitischen Anwandlungen, von denen sich Cioran dann zeitlebens zu distanzieren suchte, gefällt dem Rezensenten. Durch die klare und leichte Sprache des Biografen werde Cioran zudem nicht nur als melancholischer Außenseiter spürbar, sondern sei auch als "Plauderer" mit Hang zur Ironie zu entdecken, lobt Bauer, der das gerade angesichts Ciorans schwülstiger Ausflüge in mystische Gefilde sehr heilsam findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.04.2008

Einfühlsam und klug soll diese Biografie sein, aber allzu viel Mühe hat sich die Rezensentin Franziska Augstein mit ihr nicht gemacht. Wir erfahren mehr über ihre Meinung zu Cioran - seine Aphorismen seien inzwischen abgestanden - als darüber, was uns Bernd Mattheus etwa über den Stellenwert Ciorans in der Geistesgeschichte oder über Ciorans Faszination für seine Leser zu berichten hat. Von Augstein erfahren wir auch, dass Cioran sie immer an "Oskar aus der Tonne", eine Figur aus der "Sesamstraße", erinnert hat, auch so ein Virtuose der Negativität. Brauchen wir eine Biografie über Oskar in der Tonne?
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