Benjamin Prado

Als einer von uns Laura Salinas töten wollte

Roman
Cover: Als einer von uns Laura Salinas töten wollte
Luchterhand Literaturverlag, München 2004
ISBN 9783630871707
Gebunden, 192 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Alcaen Sanchez hat eine Marotte: Er liebt es, sich zum Verkauf stehende Häuser anzusehen, die er sich nie und nimmer leisten könnte. Er liebt es, sich dabei angemessen auszustaffieren, sich in einen vermögenden und weltläufigen Alcaen zu verwandeln. Ist es Glück oder Pech, daß er dabei auf Laura Salinas trifft? Auf eine dieser Frauen, nach deren Anblick nichts mehr so ist wie zuvor? Denn jetzt muß Alcaen sich entscheiden: Zeigt er sich Laura, wie er wirklich ist? Raubt er die Versicherungsgesellschaft aus, in der er arbeitet? Und was, wenn plötzlich doch noch ein Ehemann auf der Bildfläche erscheint? Und wie kommt es dazu, daß Alcaen eines Abends (so gegen halb zwölf) auszieht, Laura Salinas zu töten?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2004

Rezensent Kersten Knipp ist angetan von diesem Krimi, der zwar verwirrend, aber wohlkalkuliert von einem Anti-Helden erzählt, der so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann. Die einzige Aussage, die man dem Autor glauben sollte, ist seine Ermahnung zu kriminalistischer Abstinenz, denn alle Fährten, auf die man sich als Leser gelockt fühlt, erweisen sich als falsch, verrät Knipp. Fasziniert ist der Rezensent vor allem davon, dass dem Autor gegen Ende trotz alledem eine befriedigende Auflösung gelingt: "Entstanden ist so ein zügig dahinlaufender Text, der das Kunststück fertigbringt, den Leser auf gerade einmal 190 Seiten gründlich in die Irre zu führen und ihm den Durchblick erst wieder am Schluss zuzugestehen". Das einzige, was Knipp in diesem Vorwirrspiel fehlt, ist ein bisschen Lokalkolorit: "Dass der Leser sich während der Lektüre kaum einmal in Spanien wähnt, dürfte nicht nur an der ihm aufgenötigten perspektivischen Verkürzung liegen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2004

Kolja Mensing ist von diesem Roman des spanischen Autors Benjamin Prado hingerissen, er preist ihn als Glücksfall. Ein kleiner Versicherungs-Angestellter verliebt sich in eine Maklerin, der er vorspielt, er sei ein reicher potentieller Käufer, erzählt der Rezensent. Im Lauf der Geschichte werden er oder einer seiner beiden Freunde versuchen, die Frau zu töten, erklärt Mensing weiter, wobei er natürlich nicht verrät, wer und warum. In diesem Buch geht es dem Autor nämlich darum, "geschickt seine Spuren zu verwischen", so dass man sich weder über die Identität des Erzählers im Klaren ist, noch die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit sicher ausmachen kann, so der Rezensent beeindruckt. Somit handelt es sich also einerseits um einen "beinahe klassischen" Kriminalroman als auch um ein literarisches Versteckspiel, freut sich Mensing. Er lobt Prados Sinn für stilistische Unterscheidung, der sowohl sehr bildhaft schreiben kann als auch, wenn es die Handlung verlangt, seine Figuren in einer geradezu "unentschlossenen" Sprache charakterisiert. Was der Autor in früheren Romanen schon an "Zweifeln an der Wirklichkeit" ausgedrückt hat, treibt er im vorliegenden Roman "auf die Spitze", und das "kunstvoll" und dabei wirklich spannend, so der Rezensent begeistert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2004

Selbstreferenzielle Literatur auf spanische Art, und zwar in der "zynischen Subvariante" - Katharina Granzin ist begeistert. Benjamin Prado habe hier einen "raffinierten kleinen Roman" geschrieben, in dem es um Literatur, eine unglückliche Liebe und ein geplantes Verbrechen gehe. Obwohl der Autor während der gesamten Geschichte Spuren auslegt, die das Ende ahnen lassen, versteht er es doch, lobt Granzin, den Leser so in die Wirren der Erzählung zu verwickeln, dass dieser den roten Faden schlicht übersehe und schließlich verblüfft auf das Ende blicke. In Zynismus verpackte Tragik, das Spiel mit den Erwartungshaltungen des Lesers - Kunst, die auch noch Spaß macht, befindet die Rezensentin.
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