Marcos Giralt Torrente

In deinen Augen

Roman
Cover: In deinen Augen
Luchterhand Literaturverlag, München 2001
ISBN 9783630870984
Gebunden, 348 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Giralt Torrente erzählt von einem Jungen und seiner Mutter, von dem abwesenden Vater, und der Schatten eines Unbehagens, in dem Mutter und Sohn leben, legt sich auf die Geschichte, eine Angst vor den Geheimnissen, die besser nicht entdeckt würden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2002

Martin Halter hat nicht viel Gutes an diesem Roman, der die Kindheit und die schwierige Beziehung zu den Eltern eines namenlosen Erzählers zum Thema hat, entdeckt. Er stellt fest, dass der spanische Autor schon mit dem ersten Satz in die Fußstapfen Prousts tritt, allerdings dessen "erzählerische Ökonomie und Präzision" vermissen lässt. Zwar gesteht der Rezensent Torrente durchaus eine "feinnervige, aristokratisch distinguierte Prosa" zu. Doch sind ihm für diesen kostbaren Stil die Inhalte in der Regel "zu banal". Dazu kommt, dass ihm der Text, der sich als aus der Perspektive eines 9-Jährigen geschrieben gibt, in dieser Hinsicht als unglaubwürdig erscheint. Er empfindet den Roman als ungeheuer "redundant" und ermüdend, was nicht nur an den eingestreuten "ritualisierten Vorbehalten" des Erzählers gegen die eigene Erinnerung liegt. Es wird viel "heiße Luft" in "geschwollenen Plattitüden" geboten, so Halter indigniert, und er schreibt etwas bissig, der Autor komme seinem "Ideal", zu "erzählen, ohne zu erzählen" mit diesem Buch "ziemlich nahe".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2002

Meike Fessmann ist enttäuscht von diesem Debütroman. Ein "überaus spannendes" Thema wurde hier vertan, bedauert sie. In der Geschichte, in der der Protagonist seine Kindheitserinnerungen überprüft um sich über das Verhältnis zu seinen Eltern klar zu werden, geht es auch um die "Klaustrophobie der Kleinfamilie" und ein symbiotisches Mutter-Sohn-Verhältnis. Das findet die Rezensentin eigentlich sehr interessant. Leider hat der spanische Autor sein Thema mit "Formulierungskünsten erstickt", moniert sie. Auch die komplizierte Verschachtelung der Geschichte, die sie eigentlich "sinnfällig" findet, geht Fessmann durch "penetrante Wiederholungen" und anstrengende "Gedächtnis-Übungen" auf die Nerven. Sie wirft Torrente eine "kraftmeiernde Proust-Pose" vor und findet die Pointe des Romans, in der die Mutter dem Sohn entdeckt, dass er das Ergebnis eines Inzests ist, nicht überzeugend. Ob der Autor das eigentlich Wichtige seiner Geschichte selbst gar nicht kennt oder ob er es "bewusst verschleiert", weiß Fessmann nicht zu sagen, aber sie sieht in dem Roman einen spannenden Stoff "verspielt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

So ein Satz imponiert: nur in einer Kurzgeschichte hat die Pointe ihre legitimen Platz, sagt Martin Krumbholz. Also hat dieser Autor bei ihm bereits seinen Kredit verspielt, indem er zum Schluss eine Pointe aus dem Ärmel zieht und seiner Geschichte einer schwierigen Mutter-Sohn-Beziehungssuche eine unvermutete und etwas schale Wendung verleiht. Was vorab für diesen Autor sprach, war, dass Torrente ein junger spanischer Autor ist, Jahrgang 1960, der seine Kindheit im Madrid der 70er Jahre beschreibt und damit in Spanien ungemein Erfolg hatte. Könnte also interessant sein, dachte sich Krumbholz, dessen Interesse infolge überbordender Beredsamkeit und greller Plattitüden aber schnell erlahmt ist. So dass er hämisch am Ende seiner Kritik sogar die Pointe verrät - wir jetzt aber nicht.
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