Aus dem Bosnischen von Klaus Detlef Olof. Ein Zimmer in Oslo, eine abgelegene Hütte in Bosnien und mittendrin ein balkanisches Schlitzohr.Wenn ein Bosnier sich, um dem Militärdienst zu entgehen, nach Oslo absetzt und dort Universitätslektor und Norwegisch-Lehrer wird, muss er schon ganz schön was auf der Pfanne haben: ein balkanisches Schlitzohr im überzivilisierten Norwegen, ewig auf der Flucht vor sich selbst, vor einer festen Bindung, ein Zerrissener zwischen den Kulturen und Traditionen. In diesem autobiografisch gefärbten Roman lernen wir viel über selbstbestimmte Frauen, verunsicherte Bart-, Brief- und Uniformträger, feuchte Hundeschnauzen. Ob Bekim den "schöneren Schluss" gefunden hat, verrät uns das Lächeln des Lesers, wenn er dieses zutiefst menschliche Buch wieder aus der Hand legt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.02.2022
Ralf Höller schreibt etwas rätselhaft über Bekim Sejranovics Roman über einen schlecht gelaunten Zeitgenossen, der zwischen seiner alten Heimat in Nordbosnien und seiner neuen in Oslo pendelt und beide Orte ungefähr gleich stark hasst. Zu norwegischer Musik oder norwegischem Wetter fällt ihm nur Abfälliges ein, zum Multikulturalismus zu Hause auch. Reizvoll findet Höller die Figur dennoch. Wie ein Chamäleon passt sie sich an und pflegt seine Ängste hier wie dort, stellt er fest. Das Überraschendste am Roman aber ist für Höller der titelgebende versöhnliche Schluss. Meisterlich, wie der Autor temporeich und bisweilen auch poetisch darauf zusteuert und der Leser mit ihm, findet er.
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