Klappentext

Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert. "Wir standen uns nicht nah, obwohl es immer hieß, ich sei ganz der Vater." Das letzte Telefonat zwischen Vater und Sohn löst eine Flut von Erinnerungen aus: In seinem neuen Buch taucht Miljenko Jergović in die Abgründe seiner eigenen Familie ein und beleuchtet die tragischen Verwicklungen seiner Heimat. Er beschreibt den Lebensweg seines Vaters, eines angesehenen Arztes und Experten für Leukämie, dessen Einsatz für die ländliche Bevölkerung und politische Haltung. Zugleich bezieht er kritisch Stellung zur kroatischen Geschichte und dem Umgang mit der faschistischen Vergangenheit. Mit Witz und einer Portion Sarkasmus schildert Miljenko Jergović die jugoslawische Lebenswirklichkeit, die das Schicksal seines Vaters bestimmte und damit auch den Sohn prägte. "Vater" ist das literarische Dokument seiner Familie: Anhand ihrer Lebensstationen erzählt Miljenko Jergovic von den historischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan und deren Auswirkungen bis heute.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2016

Rezensentin Sabine Doering sieht in der Vatergeschichte, die Miljenko Jergovic in seinem Essay erzählt, auch die Geschichte einer Hinwendung zur Literatur. Wie der Autor mit Witz und Präzision die Verquickungen seiner Familiengeschichte mit der komplexen politischen Geschichte Jugoslawiens offenlegt, findet Doering groß. Zumal es Jergovic auch noch gelinge, dem Leser mit kafkaesken Schilderungen vorzugaukeln, hier handle es sich um lauter Absurditäten, während es doch die ernüchternde, bitterernste Wahrheit des Lebens in einer Diktatur ist. Daneben ist das Buch für sie Ausdruck einer tiefen Sohnesliebe. Die Übersetzung durch Brigitte Döbert scheint ihr das nuancenreich abzubilden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.07.2015

In Jergovićs autobiographischem Buch über den eigenen Vater liest Helmut Böttiger vor allem eine mitleidslose Abrechnung mit diesem inzwischen verstorbenen Mann, einem bosnischen Kroaten und Arzt. In der zwangsläufig subjektiv beschriebenen, konfliktreichen Familiengeschichte, in der sich die Politik auf dem Balkan und das Private ständig verquicken, fehlt in den Augen des Kritikers die Distanz, das Zweifeln, auch die Reflexion des Autors über die eigene Entwicklung. Vielmehr erweckt Jergovićs auf emotionale Wirkung bedachter Stil für Böttiger den "Eindruck einer Katharsis, des Sich-von-der-Seele-Schreibens", worauf für den Rezensenten auch die angespannte Stimmung des Buches hinweist. Letztlich ist "Vater" für ihn vor allem "Ausdruck familiärer Krisen und irrationaler Bande".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2015

Als exorzistisches Meisterwerk bezeichnet Rezensent Andreas Breitenstein Miljenko Jergovics Buch über seinen Vater. Breitenstein gewinnt hier nicht nur einen tiefen Einblick in eine jugoslawischen Familiengeschichte, sondern auch in die politischen Verhältnisse im Vielvölkerstaat. Staats- und Familientragödie scheinen für den Rezensenten mitunter ein und dasselbe. Außer durch die Tiefe des Blicks, liebevolle Ironie und Scharfsinnigkeit besticht das Buch für Breitenstein durch größtmögliche Aufrichtigkeit als Mittel gegen Lüge und Leere, harte Kritik am kroatischen Neo-Nationalismus eingeschlossen, wie der Rezensent schreibt.