Aus dem Französischen von Stephan Geene, Katja Diefenbach und Tara Herbst. Der Dildo stiftet Unbehagen/Lust. Und tatsächlich ist der Dildo das Stück, das fehlt, um das paranoide Rätsel zu lösen, das der lesbische Sex im sexuellen heterozentristischen Modell darstellt; als ermögliche er die Antwort auf jene drängende Frage: Wie ficken Lesben ohne Penis? Ob er dem Sex hinzugefügt wird oder an seine Stelle tritt, der Dildo als Supplement ist außerhalb und bleibt außerhalb des organischen Körpers. Der Dildo ist ein Alien. Er ist gleichermaßen und paradoxerweise eine exakte Kopie und das, was dem Organ am fremdesten ist. Der Dildo richtet den Penis gegen sich selbst. Er wird als natürlich gedacht, als Präsenz und ist in dieser Hinsicht selbstgenügsam. In der heterosexuellen Mythologie genügt ein Penis. Hat man zwei davon, fällt man bereits unter die Monstrosität eines lebendigen Doubles: was ist der Dildo und was der Penis? Hat man keinen Penis, fällt man gleich unter einen anderen Typ Monstrosität, unter die natürliche Monstrosität der Feminität.
Beatriz Preciado hat von Jacques Derrida (bei dem sie studierte), Michel Foucault und Judith Butler gelernt. Der Rezensent Martin Reichert hat auch durchaus Verständnis dafür, dass manch einer das, was dabei heraus kommt, für einen einigermaßen "schwer verdaulichen Brei" hält. Er referiert aber sehr treu, wenngleich gelegentlich flapsig, die denn doch recht erstaunlichen Thesen dieses von der Autorin in nur einem Jahr verfassten Manifests. Im Zentrum des Buchs steht der Dildo. Ihm eifert, so Preciado, der Penis nach, der in Wahrheit nur eine Klitoris ist, die gerne ein Dildo wäre. Zum Ort der Erfüllung jedweden Begehrens, das dekretiert die Autorin, habe in Zukunft der Anus zu werden, weil geschlechtsneutral, sprich: kontrasexuell. Bezeichnungen wie "maskulin" und "feminin" werden kurzerhand abgeschafft, genauso wie die Ehe, homo- oder heterosexuell. Prostitution ist Avantgarde: "Sexarbeiter sind Multimedia-Körper-Performer." Und so weiter. Der Rezensent hält das, was er da liest, durchaus für "Ungeheuerlichkeiten", scheint aber den Wert des "Pamphlets" innerhalb der Gender-Studies-Diskussion gar nicht so gering zu veranschlagen.
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