Uwe Neumahr

Die Buchhandlung der Exilanten

Paris 1940 - Zuflucht und Widerstand
Cover: Die Buchhandlung der Exilanten
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406844942
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Zwei Buchhändlerinnen im besetzten Paris: Adrienne Monnier und Sylvia Beach haben mit ihren benachbarten Buchhandlungen über Jahrzehnte das literarische Paris geprägt. Doch 1940, mit der deutschen Besatzung, ändert sich auch für sie alles. Aus der literarischen Oase im Herzen der Stadt wird ein Zufluchtsort für deutsch-jüdische Exilanten und ein Ort des Widerstands. Uwe Neumahr erzählt in seinem Buch die Geschichte dieses großen Paares und ihrer Freunde. In den wilden Zwanzigerjahren sind "Shakespeare and Company" und "Das Haus der Bücherfreunde", die Buchhandlungen von Sylvia Beach und Adrienne Monnier, Anlaufstellen für Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler. Hier trifft sich die Avantgarde, von James Joyce und Ernest Hemingway über Pablo Picasso bis zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Mit dem Einfall der Deutschen in Frankreich im Mai 1940 aber gerät auch die Literatur in Gefahr. Zu den Besatzern gehört Ernst Jünger, während die amerikanisch-jüdische Schriftstellerin Gertrude Stein sich dem neuen Regime in Vichy anschmiegt. Adrienne Monnier und Sylvia Beach setzen alles daran, ihre Freunde Walter Benjamin, Gisèle Freund, Siegfried Kracauer und manche andere zu retten. Bis Sylvia Beach selbst von der Gestapo abgeholt und in ein Internierungslager gebracht wird. Auf der Grundlage von Archivstudien schildert Uwe Neumahr erstmals dieses dramatische Kapitel aus dem besetzten Paris. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.03.2026

Uwe Neumahr verfolgt in seinem neuen Buch die Geschichten der Pariser Buchhändlerinnen Sylvia Beach und Adrienne Monnier, die Shakespeare and Company beziehungsweise La Maison des Amis des Livres gegründet haben, wie Rezensent Holger Heimann weiß. Dort habe sich die Pariser Avantgarde getroffen, ab den 1930er Jahren auch die deutschen Exilanten, die durch die Okkupation der Nazis 1940 erneut bedroht waren. Adrienne Monnier ist es, die Walter Benjamin und Siegfried Kracauer hilft, aus dem Internierungslager freizukommen, erfahren wir, Gisèle Freund kann mit ihrer Hilfe fliehen. Auch Sylvia Beach, Nazigegnerin, wurde von ihr aus dem Lager befreit, was Neumahr alles facettenreich und vielschichtig zu vermitteln weiß, so Heimann. Er hätte gerne noch ein bisschen mehr über die Wege derer erfahren, denen die beiden Buchhändlerinnen geholfen haben, ist aber auch so glücklich mit diesem interessanten Buch über zwei wichtige Vertreterinnen der europäischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.03.2026

Auf der linken Seite der Seine gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwei bemerkenswerte Buchhandlungen, so Rezensent Harry Nutt, über die der Romanist und Literaturagent Uwe Neumahr in detailreicher Arbeit ein Buch geschrieben hat, das stilistisch wie inhaltlich zu überzeugen weiß. Sylvia Beach gehörte etwa "Shakespeare and Company", sie hat Joyces "Ulysses" verlegt, als sich kein Verleger finden ließ, und wurde während der deutschen Besatzungszeit im Affenhaus des Jardin d'Acclimatation interniert, wo sie beinahe Ernst Jünger hätte begegnen können, der als Besatzungsoffizier dort stationiert war, wie Nutt schildert. Adrienne Monnier hat in ihrer Buchhandlung "La Maison des Amis des Livres" Intellektuelle wie Simone de Beauvoir und André Gide versammelt, beide Akteurinnen verband nicht nur eine Freundschaft, sondern auch der Einsatz für politisch Verfolgte, erfährt der Kritiker von Neumahr. Monnier habe zentral dazu beigetragen, dass Walter Benjamin und Siegfried Kracauer aus den Internierungslagern freigelassen wurden. Nutt liest hier eine gelungene Darstellung eines Stückes Literaturgeschichte, in dem auch das Anekdotische nicht zu kurz kommt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Joseph Hanimann hat Schwierigkeiten mit der "Pendelchronologie" zwischen Zwischenkriegs- und Okkupationszeit in Paris, die Uwe Neumahr anwendet, um ansonsten laut Hanimann höchst Bemerkenswertes über die "Odeonie" zwischen den beiden Buchhandlungen von Andrienne Monnier und Sylvia Beach zu berichten, wo sich Intellektuelle, Literaten und Künstler von Kracauer und Hemingway bis Picasso die Klinke in die Hand gaben. Detailreich und fesselnd schreibt der Autor szenisch über Epoche und Einzelschicksale und hütet sich vor "plakativen Urteilen", so Hanimann.