Aus dem Französischen von Stephan Geene. In "Testo Junkie" geht Paul B. Preciado mit der Epoche so radikal um wie mit sich. Sein Selbstversuch fügt seiner scharfsinnigen Analyse der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine performative Achse hinzu: Dieser Akt ist wie unser Zeitalter nicht immateriell, er ist pharmapornographisch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2016
Rezensentin Andrea Roedig liest den Selbstversuch von Paul Beatriz Preciado mit einem Testosteron-Gel als politisches Statement. Preciados "wildem Ritt" an den Abgründen unserer Zeit entlang, mit dem der Autor eine Theorie des "postfordistischen Kapitalismus" entwirft und gegen das Geschlechter-Regime rebelliert, folgt Roedig mit Spannung. Poetisch-romanhaft, pornografisch, anregend geht der Autor darin eigenen sexuelle Befindlichkeiten an und beobachtet schließlich seine eigene Verwandlung zum Mann, erläutert Roedig. Wie Preciado dabei an Foucaults "Biomacht" und Judith Butlers "Performativität der Geschlechter" anknüpft, um sich zu einer Kriritk des "pharmapornografischen" Systems aufzuschwingen, das Lustproduktion und Arbeit verbindet, scheint Roedig nicht frei von verschwörungstheoretischen Tendenzen. Doch die Analogien, die der Autor herstellt, findet sie hübsch, und Hellsicht verbirgt sich auch in dieser Paranoia, versichert die Rezensentin.
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