Bastiaan Willems

Gewalt und Untergang

Die Wehrmacht in Ostpreußen 1944-1945
Cover: Gewalt und Untergang
Brill Schöningh Verlag, Paderborn 2026
ISBN 9783506798268
Gebunden, 359 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs, als erbitterte Abwehrkämpfe auf deutschen Boden übergriffen, wurde das Land von einer Welle innerethnischer Gewalt erfasst. Bastiaan Willems bietet die erste Studie über den Einfluss und das Verhalten der Wehrmacht auf ihrem eigenen Boden. Dabei konzentriert er sich auf die deutschen Einheiten, die in Ostpreußen und dessen Hauptstadt Königsberg kämpften. Er zeigt, dass der Rückzug der Wehrmacht nach drei Jahren brutaler Kämpfe an der Ostfront maßgeblich zu der Welle der Gewalt beitrug, die unmittelbar vor der Niederlage im ganzen Land herrschte. Soldaten, die mit einer an der Ostfront entwickelten Denkweise zurückkamen, prägten die unmittelbare Umgebung des Einsatzgebiets und Nazi-Deutschland als Ganzes. Willems zeigt auf, wie die Normen der Wehrmacht als Armee auf dem Rückzug die Verhaltensmuster an der Heimatfront beeinflussten, und argumentiert, dass ihre Anwesenheit die Gewaltbereitschaft in Deutschland erhöhte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2026

Rezensent Thomas Karlauf verreißt Bastiaan Willems Untersuchung über die letzten Monate von Königsberg und das Verhalten der Wehrmacht gegenüber der eigenen Zivilbevölkerung vollständig. Das umfangreiche Material des auf Willems Disseration von 2021 basierenden Buches kann der Autor nicht zum Sprechen bringen, findet Karlauf. Verantwortlich dafür sind laut Rezensent unter anderem das Fehlen argumentativer Stringenz, der unbekümmerte Wechsel zwischen militärischer und ziviler Perspektive, akademische Plattitüden und undifferenziert verwendete Begriffe. Die Radikalisierung der Wehrmacht anhand ihres Verhaltens gegenüber dem eigenen Volk in den Jahren 1944/45 sichtbar zu machen, gelingt dem Autor nicht, meint Karlauf. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.08.2026

Rezensent Florian Keisinger lernt mit der Studie des niederländischen Historikers Bastiaan Willems eine Menge über die Radikalisierung und Abstumpfung der Wehrmacht in und nach dem Ostfeldzug. Dass und wie die Wehrmacht "erlernte" Gewaltpraktiken in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs schließlich auch gegen die eigene Zivilbevölkerung richtete, liest Keisinger mit Grauen. Beeindruckend findet Keisinger die vom Autor bewältigte Materialfülle, ob derer sich Willems auch auf Ostpreußen konzentriert hat. Diese Regionalperspektive ist sinnvoll, findet Keisinger, und generiert gleichzeitig Erkenntnisse, die über den Einzelfall hinausweisen. 

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