Stefan Weinfurter nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch das Mittelalter und lenkt die Aufmerksamkeit auf Schlüsselsituationen der Reichsgeschichte: So erläutert er wirkungsmächtige Begebenheiten wie die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig, erhellt die christliche Gestaltung des Reiches unter Karolingern und Ottonen und zeigt, wie im 11. Jahrhundert dem Kaiser im Papst ein selbstbewusster Herausforderer erwächst. Er erklärt, wie seit dem 12. Jahrhundert das Reich selbst "heilig" wird und den Nimbus unantastbarer Größe erwirbt. Als weiteren Markstein der Entwicklung beschreibt er, wie sich im 13. Jahr-hundert das lateinisch geprägte Reich - auch durch die zunehmende Akzeptanz der Volkssprache - zum Deutschen Reich wandelt. Dieses Reich ist zwar im ausgehenden Mittelalter in punkto Kunst und Wissenschaft im Vergleich zu Italien und Frankreich noch weit im Hintertreffen, doch bietet es eine staunenswerte Vielfalt, die in den kommenden Jahrhunderten im Herzen Europas eine Kulturnation entstehen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2008
Als handliche Alternative zum Gebhardt kann Rezensent Christian Jostmann diese Mittelaltergeschichte von Stefan Weinfurter empfehlen, die auf deutlich weniger Seiten nicht nur die Ottonenzeit, sondern das gesamte Mittelalter von 500 bis 1500 behandelt. Das Wesentliche, versichert der Rezensent, sei aber auch in dieser kurzen Version gesagt. Bedauerlich findet er nur, dass Weinfurter diese Geschichte noch immer als deutsche erzählt, obwohl seines Erachtens der größte Fortschritt der Mediävistik in den letzten Jahren darin lag, das Mittelalter von seiner "anachronistischen Eindeutschung" befreit zu haben.
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