Bärbel Bohley

Englisches Tagebuch 1988

BasisDruck Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783861631439
Taschenbuch, 168 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Aus dem Nachlass herausgegebesn von Irena Kukutz. Mit einem Nachbericht von Klaus Wolfram. Im Februar 1988 wurden einige DDR-Oppositionelle aus der Haft in die Bundesrepublik abgeschoben, die das so nicht geplant hatten. Bärbel Bohley kehrte allerdings sechs Monate später, im August 1988, in die DDR zurück. Dies war ein singulärer Fall, den sie noch während der Haft ertrotzt und danach, während ihres Aufenthalts im Westen mit allen politischen Mitteln verteidigt hatte. Da sie selbst bis zuletzt im Zweifel war, ob ihr die Wiedereinreise gestattet werden würde, führte sie in diesen Monaten, vor allem in England, ein Tagebuch, in dem sie jeden ihrer Schritte, die Begegnungen und Reaktionen prominenter und nichtprominenter Kontaktpersonen auf ihr Anliegen sowie ihre politischen Schlußfolgerungen festhielt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.11.2011

Rezensentin Anja Maier schätzt Bärbel Bohleys postum erschienenes "Englisches Tagebuch 1988". Die Aufzeichnungen der 2010 verstorbenen DDR-Bürgerrechtlerin vermitteln ihr ein eindrucksvolles Bild der Vorwendezeit. Sie hebt hervor, dass Bohley ihr Land, anders als manch andere, nicht verlassen wollte, aber Anfang 1988 aus der DDR nach Westdeutschland abgeschoben wurde. Bei der Lektüre ist für Maier immer wieder spürbar, wie sehr Bohley diese Erfahrung eines Kontrollverlusts zu schaffen machte, insbesondere in den Schilderungen, wie sie in den ersten Wochen in der Bundesrepublik herumirrte, bevor sie nach England reiste. "Wer 22 Jahre nach dem Mauerfall noch einmal spüren möchte, wie sich das Unmögliche angefühlt hat", so die Rezensentin, "sollte dieses Buch zur Hand nehmen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2011

Sehr beeindruckt zeigt sich Jens Bisky von Bärbel Bohleys Tagebuch des Jahres 1988. Das schmale Buch der 2010 verstorbenen Bürgerrechtlerin dokumentiert für ihn die Vorgeschichte der friedlichen Revolution in der DDR besser als all die zahllosen Fernsehdokumentationen und Wendegeschichten. Ja, die Ereignisse des Jahres 1989 scheinen ihm ohne Bohley und ihr Tagebuch "nur schwer zu verstehen". Er würdigt ihren Mut, ihre Ehrlichkeit und ihr politisches Engagement und hebt auch den Sog hervor, den das Tagebuch entwickelt und dem man sich als Leser kaum entziehen kann.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Jana Hensel liest dieses Buch in einer schönen Kritik als das Dokument eines einzigartigen Moments, nämlich der paar Monate vor der Wende, als noch keiner - außer eben Bärbel Bohley oder auch Petra Kelly - die Vision einer Veränderung hatte. Bohley, so erweist sich für Hensel, hatte diesen klareren Blick im Abseits entwickelt, und nachdem sie für den entscheidenden Moment im Zentrum der Geschichte stand, begab sie sich - freiwillig vielleicht, "aber das schreibt sich leichter, als es ist" - wieder zurück ins Abseits. Aber was Hensel im Moment des Umsturzes frappiert, ist eben diese unerbittliche Klarheit von Bohleys Blick: auf die Kollaboration der Kirche mit der Stasi und auf das Desinteresse und die Selbstzufriedenheit des Westens: Nur so konnte sie den Entschluss fassen, sich mit dem Neuen Forum von beiden zu emanzipieren. Sie sei uns abhanden gekommen, klagt Hensel, aber sie wünscht sich dieses Buch, das in einem sehr kleinen Verlag erschienen ist, als Grundlesestoff für die Schule.