Diese Geschichte der Autobahnen beginnt mit den Reichsautobahnen und führt über die Versuche politischer Beschleunigung in der ostdeutschen Nachkriegszeit bis zum Stau auf den Bundesautobahnen der Gegenwart. Erzählt wird von konfliktreichen Aufbaujahren, von "Auto-Suggestionen", realem Verkehr und der Sehnsucht nach freier Fahrt. Aus vergessenen Trassenplanungen entziffert der Autor die heimlichen Wünsche von Ingenieuren zur Wiederherstellung der nationalen Einheit. Es wird gezeigt, wie sich Techniker bemühten, Ulbrichts rätselhafte Parole vom "Überholen ohne einzuholen" in die Praxis umzusetzen. Analysen zum deutsch-deutschen Wiederaufbau der Grenzbrücke bei Hirschberg bieten Einblick in die dramatische Komik von Macht und Herrschaft im Kalten Krieg.
Eindeutig sehr viel zum Thema DDR-Autobahnen hat Rezensent Dietmar Bartz aus Axel Doßmanns vorliegender "Kulturgeschichte" erfahren, die die "widersprüchliche, fast chaotische Autobahnpolitik der DDR" in Szene setzt und anhand von "Interviews, Verwaltungsakten, Brigadebüchern und Eingaben" vermittelt, wie von der hehren Zielsetzung der jungen DDR, eine Vorzeige-Nation in Sachen Verkehrsnetz zu werden, am Ende wenig übrig blieb. Interessant findet der Rezensent vor allem, dass Doßmann wichtige Einsichten zur sogenannten "Kontinuitätsdebatte" liefert, etwa indem er darlegt, dass noch in den Fünfzigern alle größeren Bauvorhaben "unter dem Aspekt der Wiedervereinigung" geplant waren, oder auch wenn er die Kontinuität zwischen nationalsozialistischen und sozialistischen Vorstellungen der glorreichen Autobahn herausarbeitet. Allerdings, und hierin erkennt er die Prägung der "Alltags- und Mentalitätenforschung", formuliert der Rezensent Kritik in zweierlei Hinsicht: Einerseits vermisse man eine "kurze Bau-Chronologie der einzelnen DDR-Autobahnen bis 1989", und andererseits widerstehe Doßmann nicht immer den Verlockungen der "technischen Terminologie", was "flache Analogien", etwa das "gebremste Leben" in der Ära Honecker zur Folge habe.
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