Anselm Kiefer, Alexander Kluge

"Klugheit ist die Kunst, unter verschiedenen Umständen getreu zu bleiben"

Mit zahlreichen bislang ungesehenen Bildern des erfolgreichen Künstlers
Cover: "Klugheit ist die Kunst, unter verschiedenen Umständen getreu zu bleiben"
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518225578
Gebunden, 240 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Anselm Kiefer und Alexander Kluge verbindet eine langjährige Freundschaft - und ein ästhetisches und analytisches Interesse an der zutiefst menschlichen Möglichkeit von Verlässlichkeit. Aber was genau ist das: Verlässlichkeit? Und wie hängt sie zusammen mit den vier Währungen - Macht, Liebe, Wahrheit, Geld -, die unsere Lebenszeit regieren? Was aber ist überhaupt Zeit? Und wie sind unsere Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ineinander vermittelt?" Unter verschiedenen Umständen getreu zu bleiben" - das kann nach Hölderlins Satz als Orientierung unseres Handelns gelten. Für Kluge und Kiefer liegt darin aber auch ein künstlerischer Auftrag, das existenziell und historisch Verstockte flüssig zu halten, die Toten nicht tot sein zu lassen und die noch Ungeborenen unter uns willkommen zu heißen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.02.2025

Rezensent Arno Widmann versucht angesichts von Alexander Kluges neuem Buch notgedrungen, den "Muskel der Reflexion" zu trainieren, eher auf den Ausführungen zu "surfen" als an jedem Wort hängen zu bleiben, bleibt dann aber doch eher verwirrt zurück. Denn er kommt, scheint er etwas trotzig zu gestehen, wie oft bei Kluge, einfach "nicht mit" bei dessen unendlich schlauen Assoziationssprüngen und Variationen des Titelthemas, das dem Kritiker schon an sich ein kleines Rätsel ist, und ehe man sich versieht ist man schon bei Kant, der Guillotine oder Ovid, resümiert Widmann ratlos. Es geht dann immerhin auch um konkrete Dinge wie das verschiedene Material, mit dem Kluge und der Maler Arnold Kiefer arbeiten; um die Größendimensionen von Kiefers riesigen Gemälden voller Nägel und auch Zitate, womit eine Brücke zu Kluges schreibender Tätigkeit geschlagen wäre, so Widmann. Auch dem Spiel mit im Buch abgedruckten QR-Codes, die die Leserschaft zu kleinen Filmen weiterleiten, scheint der Kritiker etwas abgewinnen zu können in diesem "wunderbar handlichen" Suhrkamp-Band. Aber trotzdem zeigt sich Widmann etwas frustriert von der Kluge'schen Form, aus der zwar unbestreitbar viel Intelligenz und Wissen spricht, aber leider auch eine "Lust am Kräftemessen", die den Kritiker "ein wenig nervt".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.01.2025

Da haben sich zwei gefunden: Rezensent Jörg Magenau lässt sich nur zu gerne von dieser Kooperation Alexander Kluges und Anselm Kiefers inspirieren. Die laut einem Zitat Kluges durch eine "Arbeitstangente" verbundenen Autoren arbeiten hier mit gleich mehreren Medien, neben Gesprächen enthält die Veröffentlichung, lesen wir, auch Kluge'sche Kurztexte, Abbildungen von Kiefer-Gemälden sowie via QR-Code zugängliche Kluge-Kurzfilme mitsamt Kiefer-Kommentar. Inhaltlich geht es viel um Hölderlin als Spätaufklärer, erläutert Magenau, außerdem unter anderem um: Elektrolyse, Sprachgenealogie, die Herrschaft von Ungeborenen. Insgesamt hat hier alles mit allem zu tun, jubelt Magenau, der auf einige Gedanken Kluges, die Begriffsarbeit mit naturwissenschaftlichen Kategorien verbinden, näher eingeht und schließlich als Vergleichsmaßstäbe noch Johannes Keppler und Robert Fludd ins Feld führt. Hier arbeiten zwei wilde Forscher mit den Mitteln der Kunst und des Denkens, schließt der Rezensent, dem das Ergebnis dieser Kooperation einige Freude bereitet.

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