Ausgewählt und mit einem Nachwort von Ulrich Bröckling. Michel Foucault beschreibt Politik nicht als gesonderten Wirklichkeitsbereich, sondern als ein Kräfteverhältnis. Politik ist für ihn zunächst die Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln. Später rückt er den Begriff des Regierens ins Zentrum und untersucht Technologien und Rationalitäten der Menschenführung. Er entwirft keine Theorie des Staates, seine Analysen zielen vielmehr auf eine Kritik der politischen Vernunft. Die vorliegende Auswahl aus seinen Schriften und Vorlesungen präsentiert jedoch nicht nur den Analytiker von Machtmechanismen und Wissensformationen, sondern auch den politischen Intellektuellen Michel Foucault. Der Band versammelt neben Grundtexten zu Foucaults politischer Philosophie auch seine Stellungnahmen unter anderem zur Strafjustiz, zur iranischen Revolution und zur Verhängung des Kriegsrechts in Polen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2010
Dirk Lüddecke lobt mit dem Band politischer Schriften von Michel Foucault eine "gelungene Auswahl" aus dessen Texten und Vorlesungen. Die drei großen Themenkreise "Wissen", "Macht" und "Subjekt" beherrschen die Texte dieses Bandes und Foucault geht darin unter anderem der historischen Entwicklung nach, die aus dem Souverän einen für seine Bürger sorgenden Staat gemacht hat, erklärt der Rezensent. Besonders verdienstvoll findet er, dass sich Foucaults politische Schriften genauso gut gegen die Theorie eines Giorgio Agambens (einer "akademischen Modeerscheinung", wie Lüddecke abschätzig meint) wie gegen die grassierende "Sozialstaatsphobie" in Stellung bringen lässt. Besonderes Interesse erregen noch der titelgebende Vortrag "Kritik des Regierens" und Foucaults Vorlesung zur "Geschichte der Gouvernementalität", in der er die Entwicklung des modernen Staats anhand eines frühen Gesundheitssystems aus dem 18. Jahrhundert nachzeichnet. Von aktueller Bedeutung erscheint dem eingenommenen Rezensenten dieser Band, wie er auch dessen fragmentarischen Charakter absolut angemessen findet und so zu seiner Zufriedenheit feststellen kann, dass die Auswahl das Foucault'sche Werk nicht in eine Form presst, die ihm nicht gemäß wäre.
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