Peter Stamm

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Roman
Cover: Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783103972597
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Das eigene Leben noch einmal erleben. Soll man sich das wünschen? Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird. Können wir unserem Schicksal entgehen oder müssen wir uns abfinden mit der sanften Gleichgültigkeit der Welt?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.05.2018

Annabelle Seubert würde sich gerne verlieren in Peter Stamms melancholischen Gedankengängen über die Verluste des Alters und Lebensfragen à la "Wie hält man das Glück aus?". Leider legt der Autor zu viele Spuren weg von der Geschichte über ein ehemaliges Paar, das sich nach Jahren wiedertrifft, hin zu früheren Büchern und zu seiner eigenen Biografie. Zusammen mit dem "Verwirrspiel der Zeiten" in der Geschichte selbst, ist das für Seubert einfach too much, zu viel Stoff und ein konstruiert wirkender Plot. Schade, meint Seubert, die Stamms Art, über die kleinen, bedeutsamen Momente zu schreiben, sehr schätzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2018

Bei Katharina Teutsch hinterlässt auch die Lektüre von Peter Stamms neuem Roman eine "sanfte Gleichgültigkeit", auch wenn sie das Buch gar nicht ungern gelesen hat. Die Lakonie des Textes scheint ihr aber nicht so recht zu passen zu den Gedankenspielen eines alternden Romanciers um manipulierte Schicksale, Doppelgänger und die Frage nach der Authentizität des gelebten Lebens. Ob der sich mit dem Selbstbetrug im mitteleuropäischen Wohlstandsmilieu auskennende Autor eben diese Wirkung kalkuliert hat, vermag Teutsch nicht zu sagen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2018

In Peter Stamms Roman "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" begegnet der Schriftsteller Christopher seinem jüngeren Alter Ego Chris, dessen Beziehung mit Lena genau der Beziehung gleicht, die Christopher einst mit Magdalena hatte, und über die Christopher einen autobiografischen Roman geschrieben hat, erzählt Rezensentin Hannah Schmidt. Dass Christopher dem jungen Chris die Handlung des Romans verrät, bevor sein junger Doppelgänger überhaupt mit dem Schreiben beginnt, führt für Schmidt auf "betörend verwirrende" Weise zu der Frage, ob die autobiografische Erzählung das Leben der Figuren beeinflusst oder umgekehrt - und rückt damit in ihren Augen Stamms Kunst selbst in den Blick.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2018

Peter Stamms Romane sind Abenteuer - sowohl für den Leser als auch für den Autor, denn dieser beginnt seine Geschichten in der Regel ohne im Vorhinein zu wissen, wo sie hinführen werden, erklärt Rezensent Martin Ebel. Dass sich die Erzählungen am Ende dennoch stets zum "Roman runden", ist immer wieder überraschend und vermutlich auf die ihnen inhärente Logik und die ausgereiften Charaktere zurückzuführen, überlegt Ebel. Auch in "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt" gelinge Stamm dieses Kunststück. Auch in diesem Roman beschäftigt ihn wieder die Frage, wie das Leben und die Literatur aufeinander einwirken, lesen wir. Das zweite Grundthema das Buches ist die vielleicht scheinbare und die eigentlich angestrebte Individualität des eigenen Lebens, die Angst vor der "Austauschbarkeit" und der je nach Charakter und Lebensphase ab und an damit einhergehende Fatalismus. Stamm kennt seine Figuren sehr gut - er lässt sie über diese Themen nachdenken, monologisch und dialogisch und schafft es trotz dieser Nähe zu den Figuren immer die Ebene der Reflexion aufrecht zu erhalten, die Ebene auf der der Leser zum Erzähler wird. Eine großartige Leistung, lobt der beeindruckte Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2018

Rezensent Paul Jandl spürt der Frage nach der Vorhersehbarkeit des Daseins nach in Peter Stamms neuem Roman. Was wäre, wenn die Fantasie  Wirklichkeit würde? Stamm erkundet dergleichen mit einer raffinierten Handlungskonstruktion, in der Realität und Fiktion einem Schriftsteller unter der Hand zu verschwimmen drohen, erklärt der Rezensent. Sprachlich schlicht und perfekt im Ablauf, für Jandl mitunter zu perfekt, liest sich das Buch für den Rezensenten wie ein "klappernder" Reigen aus Doppelgängermotiven und Déjà-vus.