Andrej Bitow

Georgisches Album

Cover: Georgisches Album
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518224984
Gebunden, 279 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze. "Jenseits des Puschkin-Passes, wo die biblische Landschaft Armeniens allmählich dem warmen und feuchten Lebensatem Georgiens weicht und alles so stetig und zielstrebig anders wird, bogen wir von der Landstraße ab und tauchten ins herandrängende Grün." Die Fahrt durch eine Schlucht, über eine löchrige Brücke, die den Blick auf ein Autogerippe tief unten im gischtenden Wasser freigibt, gleicht einem Augenrausch. Als hätte der Mensch die Welt soeben zum ersten Mal betreten. Das Ziel der Reise ist die Ankunft in der Gegenwart, "im Echten", dort, wo man im Fremden ganz bei sich ist. Bitow erhebt die Fernsicht zum poetischen Prinzip. Was ihm im Süden wie eine Gnade zuteil wird - die Fülle des Lebens -, das kann er im russischen Norden, in der Stadt, nur im Wachtraum, im Bewußtseinsdämmer heraufbeschwören. Die Reisebilder und autobiografsch gefärbten Erzählungen im Georgischen Album gehören zu Bitows stärksten Prosastücken: Erinnerungsblätter, die nicht nur den Landschaften des "russischen Italien", sondern auch den geliebten Orten und Menschen seiner Heimatstadt Petersburg gewidmet sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.05.2017

Stephan Wackwitz hält die schön gemachte Wiederauflage von Andrej Bitows erstmals 1996 ganz publiziertem Roman für ein feines Geburtstagsgeschenk zum 80. des Autors. Bitows avantgardistisches ornamentales Erzählen, meint er, ist hier gut zu bestaunen, zumal die Übersetzerin Rosemarie Tietze am Werk war und die in den Band aufgenommenen "Genrefotografien" aus dem Tiflis der 80er Jahre das Ganze dokumentarisch veredeln. Bitows autobiografisch abschweifender Stil mit apokryphen Andeutungen, mündlicher Rede, Einbezug des impliziten Lesers, Gedankenstriche, Ausrufezeichen und "Pünktchentiraden" gefällt Wackwitz als "Jo-Jo" zwischen dem vom Autor in Georgien erlebten Fremden und dem Eigenen (also Leningrad).
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