Andreas Urs Sommer

Geschichte als Trost

Isaak Iselins Geschichtsphilosophie
Cover: Geschichte als Trost
Schwabe Verlag, Basel 2002
ISBN 9783796519406
Kartoniert, 124 Seiten, 26,50 EUR

Klappentext

Die Geschichtsphilosophie eines Isaak Iselin (1728-1782) ist doch eigentlich kein Thema. Jedenfalls lautet so der Tenor jener philosophiehistorischen Nachschlagewerke, die in Nebensatz oder Fußnote des Basler Aufklärers noch gedenken. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Beschäftigung mit Iselins Geschichtsphilosophie - hauptsächlich dokumentiert in seiner seit 1764 mehrfach aufgelegten Geschichte der Menschheit - nicht nur aus lokalpatriotischen Gründen von Interesse ist. Geschichte als eigentlicher Bereich des Menschlichen wird bei Iselin zu einem Gegenstand der philosophischen Reflexion und zu einem Mittel der Sinnstiftung, der Daseinsorientierung. Dazu entfaltet er eine alle Bereiche des menschlichen Lebens umfassende Fortschrittserzählung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2003

Anders als Jean-Jacques Rousseau, für den der Fortschritt zum Verfall der Sitten führte, suchte Isaak Iselin die moralische Potenz zivilisatorischer Errungenschaften zu verteidigen. Seiner Geschichte der Menschheit, die dieses Ziel verfolgte, hat Andreas Urs Sommer nun eine kleine Monographie gewidmet, berichtet Rezensentin Sonja Asal. Sommer zeige darin, dass Iselin unter dem Eindruck der aufgeklärten Selbstkritik eine "geschichtsphilosophische Universalisierung des Aufklärungsprozesses" vornehme. "Der sinnlos scheinenden Abfolge historischer Ereignisse soll Geschichtsphilosophie Bedeutung verleihen", erklärt Asal, "und so erweist sie sich - auf Augenhöhe mit der Religion - als Instrument der Kontingenzbewältigung." Asal hebt hervor, dass dabei insbesondere das theologische Motiv von der Geschichtsmächtigkeit des Guten, das sich letztlich gegen das Böse durchsetzt, eine Rolle spielt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2003

Als bedeutender Geschichtsphilosoph gilt der Schweizer Aufklärer Isaak Iselin gerade nicht. Zu fromm und gottergeben fällt das Bild aus, das er vom Gang der Dinge auf Erden zeichnet. Ein tröstendes Wort hat er auch angesichts der "Verderbnis unserer Zeiten" allzeit parat. Andreas Urs Sommer will mit diesem Buch Iselin verteidigen gegen seine - unter den wenigen, die ihn überhaupt kennen - zahlreichen Verächter. Wie er das genau anstellt und ob es gelingt, verrät der Rezensent mit dem Kürzel "lx." allerdings an keiner Stelle wirklich. Immerhin wird dem Autor bescheinigt, dass er sich auf "verborgene und verschlungene Denkwege" begibt - nur, wohin er dabei gelangt, hätten wir auch gerne erfahren. Bemängelt wird jedenfalls, dass eine "biobibliografische" Übersicht fehlt. Sie wäre, meint der Rezensent, zur rechten "Orientierung" von Nutzen gewesen.

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