Andreas Schäfer

Wir vier

Roman
Cover: Wir vier
DuMont Verlag, Köln 2010
ISBN 9783832195748
Gebunden, 188 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Lothar war Pilot - bevor es geschah. Seine Frau Ruth war damals Stewardess, nun hilft sie in der Telefonseelsorge, damit es wenigstens anderen besser geht. Ihr Sohn Merten glaubt, als Einziger zu wissen, warum sein Bruder ermordet wurde. In der Familie Wilber klafft eine Lücke. Man redet nicht über Jakob und über den Grund, warum er nicht mehr da ist. Am Tag der Verurteilung des Mörders zünden sie eine Kerze an und warten, bis der Anruf kommt: Lebenslänglich. Nachts liegen die Eltern nebeneinander, und die Mutter fragt: "Bist du erleichtert?" - Nein. Andreas Schäfer erzählt luzide und souverän die Geschichte eines Traumas und seiner Folgen. Sie lässt den Leser nicht mehr los.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2010

Als Versuchsanordnung eines interessierten Vierzigers, der schauen möchte, ob die Ehe mit fünfzig noch was taugt, will Meike Fessmann Andreas Schäfers neuen Roman dann doch nicht verstehen. Virtuos, gerade nicht psychologisierend, erscheint ihr Schäfers Inszenierung eines Familientraumas. Präzise liest sich das für sie in Schäfers Sprache. Einfühlsam vor allem zeigt der Autor unserer Rezensentin die der Hilflosigkeit entspringenden Verfehlungen im familiären Zusammenhang. Und dann ist da noch dieses Geräusch, ein Sirren oder Rauschen unter der eleganten Sprachoberfläche, für Fessmann eine körperlich spürbare Spannung, etwas äußerst Beunruhigendes, auf die Familienkatastrophe Hinweisendes, bloß angedeutet, aber ungeheuer wirksam.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Anja Hirsch wird nicht fündig in diesem Roman von Andreas Schäfer. Ein Geheimnis sucht sie bis zum Schluss vergebens. Die solide Bauweise des Textes, der den verhaltenen Bewegungen der Figuren, einer Familie nach einem schweren Schicksalsschlag, bis in die Syntax hinein folgt, wie Hirsch feststellt, genügt der Rezensentin nicht. Die "Gesamtlähmung" der Trauer ums Taunus-Haus leuchtet ihr allzu rasch ein. Und ist das Personal nicht doch etwas zu schematisch? Hirsch vermutet, dass der Autor dem Text einfach zuviel von seiner Strategie der Gleichförmigkeit einschreibt, bei aller Aufmerksamkeit für Gesten und Geräusche.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.02.2010

Gute Noten gibt Christopher Schröder dem zweiten Roman des Berliner Kritikers und Autors, der sich um die Folgen dreht, den der gewaltsame Tod eines Achtzehnjährigen für seine Familie hat. Deshalb findet Schröder bereits den simplen Titel ausgesprochen subtil, in dem der Verlust als Leerstelle unbemerkt eingeschrieben ist. Auch die übrigen leisen Töne des Buchs, die Andeutungen möglicher Motive für den Mord, die Einzelbilder von Stimmungslagen in der Familie "vier Jahre danach" beeindrucken den Kritiker sehr: "kurze Einblicke in ein traumatisiertes Leben", wie er schreibt. Am meisten kann Andreas Schäfer beim Kritiker mit seinen vielperspektivischen Schilderungen punkten sowie einer stimmigen Mischung aus Atmosphäre und erzählerischer Distanz.
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