Martin Kluger

Die Gehilfin

Roman
Cover: Die Gehilfin
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832178451
Gebunden, 318 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Berlin im Taumel der Gründerzeit: In der Frauenabteilung der Charite kommt ein Kind zur Welt, die Mutter stirbt bei der Geburt. Henrietta Mahlow wächst bei ihrem trunksüchtigen Vater auf, der sich in der Klinik als Krankenwärter durchschlägt. An seiner Seite verbringt das neugierige Mädchen ihre Kindertage zwischen Präparaten und Reagenzgläsern. Hier in der Charite, dem Zentrum der medizinischen Welt, versammeln sich in diesen Jahren die großen Forscher: Rudolf Virchow, Robert Koch, Paul Ehrlich, Emil Behring - und wie selbstverständlich bewegt sich die aufgeweckte Henrietta zwischen ihnen. In den Sezierstuben und Labors wird sie zur Zeugin, wie die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers die Vorstellungen von Krankheit revolutioniert. Je deutlicher jedoch Henriettas eigene Begabung wird, desto unüberwindlicher stellen sich die Schranken von Herkunft und Geschlecht in ihren Weg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2007

Martin Kluger glänze einmal mehr als "profunder" Rechercheur, lobt Rezensentin Katrin Hillgruber seinen neuen Roman, wenn er dem berühmten Bakteriologen Robert Koch an der Berliner Charite eine erfundene Gehilfin an die Seite stelle. Neben der damaligen Wissenschaftswelt und der sozialen Rolle der Frau, die der Heldin zuletzt die Arbeit als Wissenschaftlerin verbiete, präsentiere der Autor ein "Soziogramm" der Ostberliner Keibelstraße zur Gründerzeit. Da die Heldin als Tochter eines einfachen Schreiners aufwachse, werde die Welt der Hinterhöfe sehr schön mit dem Berlin der "Fassadenbewohner" kontrastiert. Das tragische und harte Schicksal der Gehilfin sorge für ausreichend Pathos, das die Rezensentin an frühe Arztfilme erinnert, vor allem, wenn sie sich schließlich als Mann verkleiden müsse und öffentlich enttarnt werde. Der "Sog" dieses Romans, bekennt die Rezensentin, sei " unwiderstehlich", denn neben dem kenntnisreichen Einblick in die frühe Bakteriologie und die wilhelminische Gesellschaft biete er eine schöne Geschichte fürs Herz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2006

Laura Weissmüller ist vom zweiten Roman "Die Gehilfin" von Martin Kluger hingerissen. Der Autor erzählt die fiktive Lebensgeschichte der Henriette Mahlow, die an der Berliner Charite neben Rudolf Virchow und Robert Koch als Laborhilfe arbeitet und nichts lieber will, als Medizin zu studieren, fasst die Rezensentin zusammen. Ausnehmend gut gefällt Weissmüller die bildreiche Sprache, mit der der Autor die faszinierende Welt der Charite beschreibt, und sie findet, dass Kluge in seinem Roman ein beeindruckendes Porträt des von Elend und Armut gezeichneten Berlin der Jahrhundertwende gelungen ist. Dass er bei der Beschreibung der drückenden Not großer Bevölkerungsteile dennoch nicht sentimental wird, lobt die begeisterte Rezensentin ausdrücklich.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2006

Mit seinem faszinierenden Roman über die berühmte Berliner Universitätsklinik Charite hat sich der "Urberliner" Martin Kluger ein weiteres Mal an eine hauptstädtische und nationale Institution gewagt, so Rezensentin Dorothea Dieckmann. Angesiedelt zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs und unter der Ägide der großen Wissenschaftler und Mediziner Rudolf Virchow, Robert Koch und Paul Ehrlich werde aus dem Leben der jungen Laborgehilfin Henrietta Mahlow erzählt. Mahlow, die an der Entdeckung des Tuberkulosebazillus beteiligt ist, wird eine akademische Karriere jedoch verwehrt. Und hier, so die Rezensentin, beginnt ein Intrigen- und Versteckspiel in den verborgenen Gängen der Charite. Poetisch und reflektiert werfe Kluger mikroskopische Blicke auf die einfachen, existentiellen Fragen und gleichzeitig gelinge es ihm einen "geradezu unheimlich bildstarken Erfindungsraum" aufzubauen, der von wissenschaftlichen und sozialen Umwälzungen erzähle.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.05.2006

Rezensentin Wiebke Porombska ist schwer begeistert von diesem Roman, den sie als "unglaublich spannend und mitreißend" beschreibt. Auch deshalb, weil Martin Kluger darin aus ihrer Sicht das "poetische Okkular" der Medizingeschichte feministisch neu justiert, und sich dabei trotzdem einer "fast kulturindustriellen Erzählkunst" und "präziser Führung des Plots" bedient. Es geht ihren Informationen zufolge um die Geschichte einer jungen Frau, die im Berlin des 19. Jahrhunderts versucht, als Medizinerin und Wissenschaftlerin Karriere zu machen, und an den patriarchalen Strukturen des Wissenschaftsbetriebes scheitert. Beeindruckt sieht die Rezensentin Autor Martin Kluger "bildmächtig und mit unprätenziöser Sprache" die Geschichte seiner Protagonistin erzählen, und dabei mit wenigen Strichen historische Figuren wie Robert Koch, Rudolf Virchow oder Emil von Behring in "Sinnbilder einer patriarchalen Geschichtsmacht" verwandeln, die trotz eines immensen Fortschrittsglaubens an den Konventionen der wilhelminischen Gesellschaft festhalten würden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Die düsteren Gänge und Hörsäle der Berliner Charite, ihre Abnormitätenkabinette, Seziertische, Labore, mitsamt ihren eiskalt glühenden Forschern, die den Krankheitserregern um jeden Preis auf die Spur kommen wollen, das alles bildet die gruselige Vorlage für einen Roman, der geradezu haarsträubend Schauerromantik verbreitet, wobei dem Buch das Romantische, auch das Sozialromantische systematisch ausgetrieben werde, berichtet Wilhelm Pauli. Ihm hat "Die Gehilfin" Martin Klugers gut gefallen, auch wenn sie ihm manchmal die Tränen des Mitleids und der Empörung in die Augen getrieben habe. "Die Gehilfin" erzählt von einem Frauenschicksal, von Henrietta, die nach dem Tod ihrer Mutter in der Charite verbleibt und dort zur Allround-Gehilfin heranwächst, die jedoch nicht nur mithelfen, sondern selber forschen will, selber forscht - und am Ende von allen verraten wird. Henriettas Leben ist hart und voller Demütigungen, die der Leser nur ertragen kann, betreibt Pauli Selbstanalyse, weil ihrem Lebensbericht jede "quälende Innerlichkeit" genommen ist.
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