Jan Lurvink

Lichtung

Roman
Cover: Lichtung
DuMont Verlag, Köln 2005
ISBN 9783832179076
Gebunden, 136 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Sein neues Klavierstück zählt so viele Takte wie Claire, die neue Freundin, Lebensjahre. Er ist Mitte dreißig, Pianist und Komponist - aber nach dem anfänglichen großen Glück und einem kurzen gemeinsamen Leben zieht sich diese rätselhafte, verschlossene Frau, die das Talent hat, die Menschen um sich herum unglücklich zu machen, mehr und mehr von ihm zurück. Während eines medizinischen Experiments in einer Klinik, bei dem die Auswirkungen von Licht und Dunkelheit auf die Seelenbefindlichkeit erkundet werden soll, findet der Erzähler Muße, um "dem Schmerz gespannt in seine Klause nachzusteigen". Und wie Orpheus in der Waldlichtung den endgültigen Verlust seiner Eurydike besingt, so beklagt der verlassene Komponist das Scheitern seiner Versuche, Claire zurückzuholen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2005

Geradezu schwärmerisch schreibt Rezensentin Katharina Degoglu über Jan Lurvinks Geschichte einer verlorenen Liebe. Für ein medizinisches Experiment im Krankenhaus liegend, reflektiert ein "beseelter Komponist" seine Beziehung zu einer depressiven Frau, die er nicht retten konnte. Der Autor, so die Rezensentin, gebe ein "fein ziseliertes Psychogramm" der Liebenden und ihrer unvereinbaren Charaktere. Das Besondere des Romans liege darüber hinaus in den Bildern und Vergleichen, die der Held gewissermaßen zu Rate ziehe und die oft aus dem Bereich der Musik kämen. Diese Bilder haben es aus Sicht der Rezensentin in sich, denn sie weisen "immer ein Stück über das Diesseits hinaus". Zugleich seien die Reflektionen des Helden sehr schlicht und im Gegensatz zum ersten Buch des Autors "entschlackt" von "poetischer Wucht". So gelingen, schließt die Rezensentin, dem Autor Momente einer "allumfassenden Liebeserklärung", weit über die beschriebene Beziehungsmisere hinaus. Eine "leise Ironie" verhindere zudem, dass die "Schwermut ins Pathetische kippt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2005

Für die Rezensentin Kristina Maidt-Zinke ist dieser Roman, der im Klappentext immerhin als "klingende Prosa" angepriesen wird, eine ziemliche Enttäuschung - zu oft funktionieren die Bilder, die der Autor Jan Lurvink bemüht, hinten und vorne nicht. Um dies zu illustrieren, zitiert die Rezensentin etliche Beispiele dieser "kurios verstimmten Klänge", etwa wenn die Klapperschuhe einer Krankenschwester "leiserwerdende Triolen auf Fersen und Boden" klatschen. Dazu ist das Ganze nach Maidt-Zinkes Meinung oft genug bedeutungsschwanger aufgeblasen und ziemlich gestelzt. "Können seine metaphorischen Höhenflüge im Grenzland zwischen Leben und Tod auch hier und da berühren, so führt das, was der Klappentext 'waghalsige Komponierlust' nennt, doch allzu häufig auf den Holzweg der Komik wider Willen." Hin und wieder, allerdings, das gesteht die Rezensentin Lurvink zu, "ist auch ein Treffer dabei."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2005

Ein Vergleich mit Elfriede Jelineks "Klavierspielerin" kommt für Samuel Moser bei Jan Lurvinks Klavierlehrerroman "Lichtung" nicht in Frage. Lurvinks Protagonist sei viel zarter besaitet, argumentiert er. Bei ihm gebe es keine Selbstverstümmelungsanfälle, keine Interesse für Pornografie, sondern ein allgemeines Leiden an der Liebe und insbesondere an der Beziehung zu Claire. Der Mann ist Leidender, Liebender, Musiker, der sich in eine Klinik zur Lichttherapie begibt, um seine Seelenpein auszukurieren. Was diesen Klinikaufenthalt angeht, zeigt sich Moser mit Lurvinks Milieuschilderungen zufrieden - die habe er "bestens im Griff" - und erklärt diesen Umstand zur "Stärke des Buchs" und zur "Schwäche seines Autors". Keinen Gefallen findet Moser nämlich an Lurvinks "delirierender Bildhaftigkeit", die sich an der "Licht"-Metapher des Titels austobt und den Orpheus- und Eurydike-Mythos ausweidet. Während der Mythos aber dadurch lebendig und wirksam sei, dass er auf Deutungen verzichte, wendet Moser ein, schwäche Lurvink ihn, indem er psychologisiere - und das auch noch in "verstiegenen Sprachbildern".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2005

Auch in seinem zweiten Roman mit dem sprechenden und vielschichtigen Titel "Lichtung", der sich um die scheiternde Liebe eines Komponisten zu einer "männermordenden" Frau dreht, verwendet der Schweizer Autor Jan Lurvink musikalische Motive und Kompositionsprinzipien, stellt Pia Reinacher eingenommen fest. Der Autor setzt auf die "gegenseitige Erhellung" von Literatur und Musik, allerdings ist seine Sprache diesem "ambitiösen Vorhaben" nicht gewachsen, bedauert die Rezensentin, die sich hier mehr Klangfülle, Geschmeidigkeit und Elastizität gewünscht hätte. Auf der formalen Ebene dagegen werden musikalische Kompositionsprinzipien durchaus gelungen umgesetzt, wie sei lobend hervorhebt. Dabei kommt es ihr vor, als werde hier gar keine Geschichte erzählt, sondern "Indizien zusammengetragen, Denkfährten verfolgt", Erinnerungen rekapituliert und Verhalten analysiert und aus diesen Einzelteilen bleibe es den Lesern selbst überlassen, daraus eine stringente Erzählung zu rekonstruieren. "Ernsthaftes Bemühen" wird in "Lichtung" allenthalben spürbar, doch wird dies von "versteckter Komik" und Ironie "angenehm belebt", so die Rezensentin erleichtert. Hier werden die "vertrackten Gefühlszustände" des Protagonisten ohne jedes Pathos geschildert, lobt Reinacher, der es auch gefällt, dass Lurvink zwar "spöttisch aber nicht spitz, sarkastisch, aber nicht schneidend" über die "lächerliche Liebe" seines Komponisten schreibt.
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