Annette Mingels

Der aufrechte Gang

Roman
Cover: Der aufrechte Gang
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832179656
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Annette Mingels Heldin Ruth erzählt klarsichtig und illusionslos das Leben im Unvollkommenen: an der Seite des älteren Mannes und voller Sehnsucht nach dem jüngeren. Ruth ist Ende Dreißig, als ihr Mann stirbt. Sven war ihr ehemaliger Kunstgeschichts-Professor, er hätte ihr Vater sein können. Als seine Krankheit ausbricht, wünscht er weiterzuleben wie bisher. So geben beide vor, in ihrem ruhigen, von kleinen Lügen durchzogenen Dasein ändere sich nichts. Mit Svens Tod beginnt Ruths Leben von neuem. Sie bricht auf zu einer England-Reise mit ihrer Jugendfreundin Simone, die sie seit der Hochzeit nicht gesehen hat - die Freundin ertrug den neuen Mann an ihrer Seite nicht. Auch William kommt mit, Simones siebzehnjähriger Sohn, den Ruth bei ihrer letzten Begegnung noch als Baby im Arm hielt. In den Tagen ihrer Fahrt wächst zwischen Ruth und William eine Zuneigung, die unübersehbar wird. William ist überzeugt, dass sie zueinander gehören, doch Ruth hadert mit dem Unterschied ihrer Jahre. Als sie dennoch zusammenkommen, beginnt eine unmögliche Verbindung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2006

Eigentlich, das merkt man, hält die Rezensentin Maike Albath große Stücke auf Annette Mingels' Begabung, "Schmerzzentren der westeuropäischen Gesellschaften" aufzuspüren. Auch im vorliegenden Roman suche Mingels im Aktuellen das Schicksalhafte, eben jenen Stoff, aus dem die alten griechischen Tragödien gemacht sind. Geschildert werde das Freundinnenpaar Simone und Ruth, das sich im Studentenalter auseinanderlebt und einen ganzen Lebensabschnitt später zusammen in Urlaub fährt - zu dritt, denn Simones Sohn, der achtzehnjährige Willy, ist mit dabei und wird sozusagen zum corpus delicti: Er schläft mit der Freundin seiner Mutter. Enttäuscht muss die Rezensentin allerdings feststellen, dass Mingels bei der Schilderung dieser Dreiecksbeziehung kein Wagnis eingeht. Die Figuren wirkten selbst unter psychopathologischer Beleuchtung "sediert", von "archaischem Furor" ist nichts zu spüren, und der skandalöse Beischlaf, mit dem die kreisförmige Romankonstruktion einsetzt, kann seine Paukenschlag-Wirkung nicht entfalten, weil nicht klar ist, wer hier mit wem zugange ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2006

Von einem lendenstarken Jüngling in einem handlungsschwachen Roman berichtet Rezensentin Sabine Löhr. Zwei Freundinnen um die vierzig unternehmen eine England-Reise zusammen mit dem achtzehnjährigen Sohn von Simone, mit dem Ruth gleich zu Beginn des Romans bei eindeutigen Handlungen überrascht wird. Solche und andere äußeren Details, so die Rezensentin, stelle die Autorin wunderbar "akribisch" wie in einer "Serie von Stilleben" dar. Das verleihe ihrer Prosa einen "ganz eigenen fließenden Rhythmus". Völlig in die Röhre schaue man als neugieriger Leser jedoch bei der Frage nach den inneren Beweggründen der Figuren. Über das passive und leidenschaftslose Leben Ruths, über die Rolle von Willys "bestem Stück" und auch über den rätselhaften Titel des Romans müsse man sich als Leser selber als "Lückentextfüller" behelfen, meint die Rezensentin.
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