In seiner Studie über die Geburt des modernen Geschichtsdenkens in Europa zeigt Andreas Heuer auf, wie sich die beiden Hauptrichtungen dieses Denkens, die Konzeption der Weltgeschichte und der Historismus, seit dem 16. Jahrhundert herausgebildet haben. Besondere historische Umstände in Europa haben dieses Denken vorbereitet. Diese lassen sich am besten mit der Hinwendung zu einer immanenten Welt zusammenfassen, einem Denken und Erfassen der Welt, in dem der Mensch und das Religiöse in einem innerweltlichen Kontext gedeutet werden. Die geografische Entdeckung der Welt und der Vergleich mit anderen Kulturen fördert die Herausbildung einer Einordnung dieser und der eigenen Kultur in den Horizont der Zeit. Aus den vielen Geschichten unterschiedlicher Kulturen wird eine Geschichte der Welt, eine Weltgeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2012
Nicht so recht zufrieden ist Harm Klueting mit dieser Schrift zum modernen Historismus von Andreas Heuer. Klueting folgt dem Autor bei seiner Feststellung des Endes des eurozentristischen historischen Denkens und der Darstellung von dessen Geburt, vermisst jedoch den ein oder anderen Aufsatz Montesquieus oder Voltaires. Sodann lauscht er Heuers Ausführungen zur säkularen Geschichte und ihrem Sinn beziehungsweise der Suche danach bei Kant, Hegel und Auguste Comte. Alles höchst klug, findet Klueting, aber leider nicht neu. Als schlüssige Bündelung von Bekanntem allerdings gefällt ihm der Band schon.
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