Andrea Köhler

Vom Antlitz zum Cyberface

Das Gesicht im Zeitalter seiner technischen Manipulierbarkeit
Cover: Vom Antlitz zum Cyberface
zu Klampen Verlag, Springe 2024
ISBN 9783987370274
Gebunden, 124 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Die unterhaltsamste Fläche auf Erden sei das menschliche Antlitz, befand der Philosoph und Physiker Georg Christoph Lichtenberg. Vom ersten Kinderlächeln bis zur zerfurchten Greisenstirn, vom beglückten Strahlen bis zur Schmerzensfratze ist es die Bühne für unsere Gefühle. Doch in seiner schier unendlichen Wandelbarkeit ist es nicht nur unterhaltsam, es ist auch geheimnisvoll, eine Landschaft, die unser Inneres sowohl offenbaren als auch verbergen kann.Durch die ganze Geschichte hindurch haben Menschen ihr Gesicht mit Schminke, Bart oder auch Schmuck verziert, um ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, Unvorteilhaftes zu korrigieren, Schmeichelhaftes hervorzuheben. Heute ist die technische Entwicklung dabei, das Verhältnis von Natürlichem und Künstlichem zu verkehren. Der zunehmende Einsatz von Schönheitschirurgie, Photoshop oder KI-generierten Deep Fakes degradiert das reale Antlitz zum bloßen Material, aus dem ein beliebig wählbares virtuelles Konterfei geformt werden kann. Andrea Köhler beleuchtet, wie aus der unterhaltsamsten Fläche auf Erden eine nahezu grenzenlos manipulierbare geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2024

Rezensentin Alexandra Wach liest Andrea Köhlers Essay über das menschliche Gesicht mit Interesse. Wie sich Köhler von wechselnden Schönheitsidealen über die bildende Kunst und Filme bis zu Texten von Benjamin, Baudrillard und Agamben durcharbeitet, um dem Leser von Doppelstandards zu berichten, denn für Frauen und Männer gelten natürlich nicht die gleichen Schönheitsideale, oder den Beauty-Wahn auf Instagram unter die Lupe nimmt, findet Wach höchst spannend. Die Begegnung menschlicher Gesichter als "Drama" von Beginn an - auch hier weckt die Autorin das Interesse Wachs, wenn sie schildert, wie das Selbstbild eines Säugling davon geprägt wird, ob das Gesicht der Mutter Liebe ausdrückt oder nicht. Dass Köhler recht sprunghaft und assoziativ vorgeht, Intermezzi und wissenschaftshistorische Anekdoten einflicht und über Spiegel, Ikonen und Fahndungsfotos nachdenkt, bereichert den Text für Wach mehr als dass es ihm schadet.

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