Andre Müller

'Sie sind ja wirklich eine verdammte Krähe'

Letzte Gespräche und Begegnungen. Mit einem Vorwort von Elfriede Jelinek

Klappentext

Der Jäger des verlorenen Sinns: "Ich verlange in einem Interview alles von mir", sagte der Autor und Journalist Andre Müller, der als Meister des literarischen Verhörs gilt. Mit seiner direkten Art, nach den intimsten Dingen zu fragen, zumeist nach Liebe und Tod, brachte er seine Gesprächspartner dazu, sich um Kopf und Kragen zu reden. Seine Interviews, die in allen großen Zeitungen abgedruckt wurden, führten zu erschütternden Geständnissen und lösten Skandale aus. Von Karl Lagerfeld und Toni Schumacher über Peter Handke, Salman Rushdie bis hin zu Leni Riefenstahl, Hanna Schygulla und Günter Grass - legendäre Gesprächsdramen. Mit einem Vorwort von Elfriede Jelinek.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2011

Moritz von Uslar rät Journalistenschülern, alle guten Ratschläge über Bord zu werfen, die ihnen in Sachen Interviewtechnik mit auf den Weg gegeben werden, und stattdessen, die Interview Andre Müllers zu lesen. Hier können sie nämlich wie er lernen, dass alle Rede von der Distanz Quatsch ist. Wichtig für gute Interviews sind "Nähe, Wärme und Herzlichkeit". Und so schafft es denn Müller auch, seinen Gespächspartnern - Jelinek, Handke, Grass, Bergman, Houellebecq und Co. nicht nur Bekenntnisse zu entlocken, sondern "totale Bekenntnisse". Alles kommt auf den Tisch, staunt Moritz von Uslar, der "ganze Schmerz, das ganze Aua". Das imponiert dem Rezensenten, der sehr bedauert, Andre Müller nicht interviewt zu haben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.10.2011

"Ganz entschieden" ruft Rezensentin Laura Ewert dazu auf, dieses Buch zu lesen, zu kaufen und zu verschenken, auch allen Kollegen möchte sie es sehr nachdrücklich empfehlen, denn was sie hier gelesen hat, sind Interview in ihrer literarischen und journalistische Idealform. Nicht ein paar abgefragte Zitate, die man an die Agenturen geben kann. Am berühmtestesn, wenn nicht berüchtigsten, ist Andre Müllers Gespräch, in dem er etwa seiner Mutter abverlangt, seine Existenz zu rechtfertigen. Aber auch seinen anderen Gesprächspartnern erspart er nichts, weder Günter Grass, Elfriede Jelinek und Leni Riefenstahl noch Salman Rushdie und Gerhard Richter, freut sich die Rezensentin. Dabei gehe nicht nur um die großen Frage, sondern um das "Schöne des Ausweglosen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2011

Wer schwach ist, wird ihn nicht aushalten, warnt uns Willi Winkler vor diesem Autor. Wer sich traut, dem verspricht Winkler allerdings das Allerheiligste: Literatur als Resultat existenzieller Aussetzung, des Autors und seines Gegenübers. Andre Müller dessen Lebenswerk wir hier in Auswahl lesen sollen, ist tot. Seine Künstlergespräche, in denen Müller Wahrhaftiges zutage fördert, Bekenntnisse und Beschmutzungen (Handke: "Sie sind ein Depp.") sind für Winkler mitunter besserer Klatsch, meistenteils jedoch "Sprechfolter", Literatur also. Ob Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard, Peter Handke, MRR oder Alice Schwarzer vor dem Autor ihre Geständnisse ablegen - Winkler spürt das ungebärdige Verhalten eines Kindes dahinter, Müllers Buhlen um Aufmerksamkeit, aber auch seine große Liebe zu seinen Gesprächspartnern.
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