Amin Maalouf

Die Spur des Patriarchen

Geschichte einer Familie
Cover: Die Spur des Patriarchen
Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2005
ISBN 9783458172628
Gebunden, 475 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Als Amin Maalouf eines Tages erfährt, daß im Haus seiner Mutter in Beirut eine Truhe mit Schriftstücken - Briefen, Tagebüchern und anderen Dokumenten - aus dem Nachlass seines Großvaters aufbewahrt wird, macht er sich sofort auf den Weg in den Libanon. Noch an Ort und Stelle beginnt er mit der Lektüre, die ihn kaum wieder loslässt. Er nimmt das Vermächtnis mit nach Paris, ordnet das Material, legt Verzeichnisse an, und allmählich entsteht der Plan zu einem Buch über die Geschichte seiner Familie. Ursprünglich ein Nomadenstamm aus der Wüste zwischen Syrien und Arabien, war sie im 19. Jahrhundert in den Libanon eingewandert und dort sesshaft geworden. Geprägt von den Patriarchen, vor allem von dem Großvater Botros, bleibt sie tief in der orientalischen Tradition verwurzelt und öffnet sich zugleich westlichen Einflüssen. Maalouf erzählt von den alltäglichen Lebensbedingungen im Orient der letzten zweihundert Jahre, von Fanatikern und Freidenkern, von heimlichen Taufen, von Hochzeiten, Scheidungen und Begräbnissen, von erfolgreichen und missglückten Geschäften, vom Religionsstreit mitten in der Familie, in deren Schicksal das des Landes sich spiegelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2006

Joseph Hanimann kann kaum fassen, dass ein Roman, der aufgrund seines spannenden Stoffes eigentlich gar nicht "schief gehen kann", dann doch so vollkommen misslungen ist. Die Familiensaga, in der der libanesische Autor Amin Maalouf die eigene familiäre Vergangenheit festhält, erzählt vom Nomadenleben, vom "Niedergang des Osmanischen Reichs", von Auswanderung nach Kuba, Amerika-Reisen und von vielem mehr, berichtet der erschöpfte Rezensent, der den Schluss des Romans geradezu als "Gnadenakt" empfindet. Hanimann hält das "Talent" von Maalouf für "überschätzt" und er sieht diesen Roman als schlagenden Beweis für sein harsches Urteil an. Das größte Problem sieht der Rezensent in der "geschwätzigen" Präsenz eines Erzählers, in dem er unschwer den Autor selbst zu erkennen glaubt. Hanimann fehlt es an "Distanz" und er bedauert, dass in den "umständlichen" Kommentaren des Erzählers die spannendsten Geschichten einfach "untergehen". Statt einer fesselnden Familiengeschichte ist so lediglich ein "üppig kommentierter Stammbaum" entstanden, meint Hanimann enttäuscht, der dies keinesfalls der Übersetzerin Ina Kronenberg angelastet sehen will, die, wie er ausdrücklich betont, "tat was sie konnte", um wenigstens "stilistisch" etwas "Distanz" zu schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2006

Nicht enttäuscht, aber doch ein wenig unbefriedigt zeigt sich Rezensent Stefan Weidner über Amin Maaloufs jüngsten Roman, der so ganz anders sei, nämlich "spröde". Der Autor erzähle seine Familiengeschichte gewissermaßen nach dem schlechten Vorbild der "deutschen Gegenwartsliteratur", und so sei eine solide recherchierte Familienchronik entstanden, die nur ein einziges Mal an "Fahrt" gewinne, wenn Maalouf im Präsens seine Reise nach Kuba erzähle, wo er die Lebensgeschichte des verschollenen Bruders seines Großvaters recherchiere. Die zentrale Figur sei ansonsten, referiert der Rezensent, der Großvater Botros, der als protestantisch erzogener Libanese vor dem ersten Weltkrieg eine "Universalschule" für Knaben und Mädchen gegründet habe. Botros sei fanatisch modern und antireligiös gewesen, und dies, habe die Großmutter gesagt, sei eine Tragödie für die Familie gewesen. Die langatmig und mit vielen Briefstellen nacherzählte Familiengeschichte, räsoniert der Rezensent, sei wohl deshalb so sperrig zu lesen, weil sie gar nicht das Ziel des Romans sei. Maaloufs Recherche und "Entdeckung" sei das eigentliche Thema, und um der Wahrheit willen habe sich der Autor jede "Literarisierung versagt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2006

Mit großer Bewunderung schreibt Niklas Bender über den neuen Roman des aus dem Libanon stammenden, aber bekennenden Nomaden Amin Maalouf, der seine Familiengeschichte denn auch nicht als Stammbaum, sondern als ein "Spurengeflecht" erzählt, als ein Netz von Pfaden, Bewegungen und Wanderungen. Doch meist, betont Bender, haben die vielen Geschichten oder Anekdoten nicht nur eine übergeordnete Bedeutung und illustrieren sehr anschaulich die großen Probleme, nein, sie bersten auch vor Spannung. Die Geschichte beginnt mit dem eigenwilligen Großvater, der mit dem Versuch scheitert, eine Universalschule zu gründen, führt über einen Großonkel, der in Kuba zu Reichtum gelangt und kommt schließlich zu einem Jungen, der in Hungerstreik tritt, um weiter zur Schule gehen zu dürfen. Was dem Rezensenten auch Respekt abringt, ist Maaloufs Weigerung, die Legende für sich sprechen zu lassen, immer versuche er, die Wahrheit dahinter herauszufinden. Ein wenig bedauerlich findet Bender jedoch die eine oder andere Durststrecke in diesem Familienepos sowie Maaloufs häufigen Perspektivwechsel: "Für eine Haltung hätte er sich wohl entscheiden müssen."
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