Elias Khoury

Yalo

Roman
Cover: Yalo
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422243
Gebunden, 378 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Leila Chamaa. So wie für Lawrence Durrell das alte Alexandria die Hauptstadt der Erinnerung war, ist für Elias Khoury das wiederaufgebaute Beirut die Hauptstadt der Amnesie. Yalo, der aus einer christlich-syrianischen Familie stammt, wächst in Beirut auf. Jung gerät er in eine der Milizen des Krieges. Nach dessen Ende wird er Wächter eines Waffenhändlers. In den Hügeln außerhalb Beiruts überfällt er nächtens Liebespaare, raubt und vergewaltigt und verliebt sich in eines seiner Opfer, Shirin. Sie zeigt ihn an. Er wird festgenommen und gefoltert. Man zwingt ihn, sein Leben aufzuschreiben, immer neu, denn nie sind die Folterer zufrieden selbst wenn er zugibt und ausmalt, was er gar nicht getan hat. So gerät Yalo außer sich. Im Schmerz trennt er sich von seinem Körper und erfindet sich im Geist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2011

Ein reines Vergnügen war die Lektüre dieses Romans von Elias Khoury nicht  für den Rezensenten Kersten Knipp, denn sie führte ihn zurück in die grauenvolle Zeit des libanesischen Bürgerkriegs, in dem sich fünfzehn Jahre lang, Christen und Muslime, PLO und Falange, Syrer und Israelis so erbittert wie aussichtslos bekämpften. Mittendrin der Junge Yalo, den Khoury zum Kämpfer ohne Grund und ohne Willen werden lässt und der auch nach Ende des Krieges nicht aus seiner Krigerhaut kann. Wie Knipp berichtet, sitzt dieser Yalo nun im Gefängnis und rückt in Verhören und unter Folter nicht raus mit seiner wahren Geschichte, erfindet immer wieder neue Versionen und schreibt sie sich selbst wie auch den anderen schön. Das kann den Leser ganz schön strapazieren, warnt Knipp und erkennt in Yalos Geschichte die Geschichte des Krieges.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2011

Mit seinem Roman, der im libanesischen Bürgerkrieg spielt, führt Elias Koury erschreckend in die "perverse Logik der Folter" ein und zeigt einen erzwungenen "Läuterungsprozess" , lässt Angela Schader wissen. Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Yalo, selbst ein Erpresser und Betrüger, dem man nach seiner Verhaftung mittels Folter das Geständnis abpressen will, an Terrorakten beteiligt zu sein, erfahren wir. In Yalos immer wieder anhebenden Versuchen, den von seinen Folterern verlangten Lebensbericht schreibt, geht sein Blick bis zurück zur Geschichte seines Großvaters, der als Kind das Massaker an den Syro-Aramäern überlebte. Die Rezensentin findet nicht alles in diesem Roman wirklich gelungen, die wiederholte Rückschau des Protagonisten lässt sie mitunter ungeduldig werden und manche Episode in diesem bedrückenden Roman scheint ihr überspannt oder schlicht "überflüssig". Dafür ist sie sehr beeindruckt von der ambivalenten Figur des Helden und seinen nicht eben immer verlässlichen Erinnerungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.05.2011

Christoph Bartmann kann sich auf nichts verlassen bei diesem Roman von Elias Khoury. Reizvoll findet er ihn dennoch oder gerade drum. Aushalten muss der Rezensent darüber hinaus viel Brutalität und Wollust. Der Erzähler, ein festgesetzter Kleinkrimineller in Beirut zur Zeit des libanesischen Bürgerkriegs, berichtet von Folter und erotischen Eskapaden und dies eher unzuverlässig in immer neuen Anläufen, aus immer neuen Perspektiven, in immer neuen Versionen. Verwirrend ist das. Und doch meint Bartmann, ein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen. Schließlich weiß der Autor, selbst Libanese, wovon er spricht, kennt die Foltermethoden, die Täter und Opfer. Dem Rezensenten scheint es, als versuche der Autor, indem er den Realismus scheut, seiner Figur Transzendenz zu verschaffen, Befreiung.

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