Tripolis ist uralt und jung zugleich, eine Stadt mit Geschichte und ein Ort, an dem sich viele Lebenskonzepte kreuzen. Und die Stadt in Libanon gibt Antworten auf Fragen, die den Nahen Osten generell betreffen.Was ist aus den Hoffnungen des arabischen Frühlings geworden? Wie instrumentalisieren Geopolitik, Geheimdienste und zynisches Machtkalkül den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten? Welche neuen Perspektiven eröffnen die gegenwärtigen Proteste, um Korruption und Wirtschaftsmisere zu überwinden? Monika Bolliger erzählt am Beispiel von Tripolis über die schmerzhaften Transformationen, die der Nahe Osten mit dem Einbruch der Moderne durchlief. Sie hat Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern geführt - mit einer Soziologin, die sich dem Patriarchat widersetzt, Salafisten, die Heil in der Frömmigkeit suchen, einem pensionierten Kommunisten, der der vergangenen Blütezeit der arabischen Linken nachhängt, jungen Frauen, die sich für ein pluralistisches Tripolis engagieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2022
Rezensent Ulrich von Schwerin vertraut auf die tiefe, von Sympathie geprägte Kenntnis des Nahen Ostens, die Monika Bolliger mitbringt, wenn sie anhand von Gesprächen mit Aktivisten und Politikern und eigenen Reportagen und Analysen ein "lebendiges" wie "differenziertes" Bild der Stadt Tripolis und der Levante zeichnet. Sichtbar werden für den Rezensenten die Bedeutung der Stadt, die Willkür konfessioneller Grenzen und das Versagen staatlicher Strukturen, das den Klientelismus befördert. Einige Fotos hätten den Band für Schwerin noch attraktiver gemacht.
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