Alfred Schütz, Eric Voegelin

Eine Freundschaft, die ein Leben angehalten hat

Briefwechsel 1938 - 1959
UVK Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 2004
ISBN 9783896696991
Gebunden, 610 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Gerhard Wagner und Gilbert Weiss. Alfred Schütz und Eric Voegelin sind herausragende Klassiker der Sozialwissenschaften, deren Werke durch Gesamtausgaben vollständig dokumentiert werden. Wer sich über die Motive, Positionen und Entwicklungen ihres Denkens informieren möchte, dem bietet die Edition ihres Briefwechsels nicht nur eine an Authentizität unüberbietbare Quelle, sondern auch den Schlüssel zum Verständnis. Denn beide Klassiker formulierten ihre Werke seit ihrer Wiener Studienzeit in den 1920er Jahren im Dialog.
Nachdem sie der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938 ins US-amerikanische Exil nach New York bzw. Baton Rouge gezwungen hatte, setzten sie den Dialog in brieflicher Form fort. Diese Briefe zeugen von der Zeit des Exils wie sie auch das tastende Entstehen jener Theorien der Lebenswelt und der Gnosis dokumentieren, die man heute mit den Namen Schütz und Voegelin verbindet. Nicht zuletzt zeugen sie von einer Freundschaft, die ein Leben ausgehalten hat. Der vorliegende Band ist die erste vollständige, auf neuester Textkritik und Editionstechnik basierende und durch Kommentare erschlossene Ausgabe der Korrespondenz dieser Klassiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2004

Friedrich Niewöhner nimmt Anstoß an der großzügigen Aufmachung dieses Briefbandes, der jeden Brief mit einer neuen Seite beginnen lässt, was manchmal zu so absurden Erscheinungen führt, dass bloß ein Gruß auf einer Seite steht. Gerade die braven Grüße an die jeweiligen Ehefrauen oder Familien sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, erklärt Niewöhner, dass es sich bei diesem Gespräch ausschließlich um ein "Gespräch unter Männern" handelt. Und was für Männer! Alfred Schütz und Eric Voeglin gelten heute als Klassiker der Soziologie, beide emigrierten nach Amerika und in diese Zeit fällt auch der Beginn ihres Briefwechsels, der neben einigen Belanglosigkeiten, wie der Rezensent anmerkt, sonst eher Schwergewichtiges verhandelt, nämlich Fragen des systematischen Denkens. Darunter fällt auch ein Streit zwischen den beiden Gelehrten über den Phänomenologen Husserl. Niewöhner hatte zunächst den Eindruck, berichtet er von seiner Lektüre, Voegelin sei der Dominierende gewesen, kühne Thesen aufstellend und souverän verteidigend. Doch bei genauerem Hinschauen merke man, dass Schütz ihm in nichts nachstand, meint Niewöhner. Es hätte in diesem Wissenschaftlerdialog "kein schnelles Zustimmen oder höfliches Loben" gegeben. Was Netteres kann man ja eigentlich nicht sagen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Die Lektüre des im amerikanischen Exil geführten und von 1938 bis 1959 andauernden Briefwechsels zwischen dem Sozialwissenschaftler Alfred Schütz und dem politischen Philosophen Eric Voegelin hat Rezensent Martin Bauer ganz offensichtlich uneingeschränkte Lesefreude bereitet. Was Schütz und Voegelin, die trotz des "vertrauten, manchmal vertraulichen" Tons stets beim höflichen "Sie" geblieben sind, sich schreiben, sei gleichermaßen "aufschlussreich, belehrend" und "mitunter geradezu bewegend". Natürlich, so der Rezensent, ziehen sich auch berühmte Namen durch die Briefe, nicht zuletzt die von Thomas Mann und Hannah Arendt, doch das zentrale Stichwort ist die "Theorie" und die Frage danach, was sie "für die Selbstverständigung vergesellschafteter Individuen zu leisten vermag". Diese von Gerhard Wagner und Gilbert Weiss "verlässlich edierte und knapp, aber instruktiv kommentierte" Korrespondenz ist für den Rezensenten das äußerst lesenswerte Zeugnis einer "gemeinsamen Leidenschaft der Erkenntnis".